Wien. Eine bläulich glänzende Fotovoltaik-Revolution über den Dächern der Stadt, bei der umweltbewusste Unternehmer und Bürger zueinander finden – so klang es, als 2011 erste Ideen für eine Sonnenstrom-Initiative der Stadt publik wurden. Ein halbes Jahr später liegt mit dem „Solarkraftwerk Wien“ ein deutlich dezenteres Konzept auf dem Tisch, die Kooperation mit der Wirtschaft beschränkt sich vorerst auf den stadtnahen Energieversorger Wien Energie: Dieser errichtet in der Donaustadt bis Mai 2012 ein Solarkraftwerk, das Strom für rund 200 Haushalte erzeugen soll.
Interessenten können Einzelelemente des Kraftwerks erwerben, der Einstieg ist ab 475 Euro möglich. So viel kostet ein halbes Paneel, das auf einer Freifläche auf dem Boden neben dem Gaskraftwerk Donaustadt installiert wird – so viel kostet der gleichzeitige Einstieg in eine Art Energie-Bausparvertrag: 3,1Prozent des investierten Betrags bekommen die Käufer jährlich von der Wien Energie als Vergütung, KESt fällt keine an. Nach 25Jahren zahlt das Unternehmen den investierten Gesamtbetrag (ohne weitere Inflationsabgeltung) zurück. Ähnliche Modelle gibt es in Deutschland. Der Einstieg rechnet sich für jene, die Geld langfristig investieren wollen – wer vor der Mindestlaufzeit von fünf Jahren aussteigt, für den wird laut Christian Ammer, Sprecher der Wien Energie, ein Verwaltungsaufwand in Höhe von 50–75Euro verrechnet.
Anmeldung läuft bereits
Interessenten können sich ab sofort anmelden (Webseite: www.buergersolarkraftwerk.at) – maximal 4200 Personen können sich im Fall des Minimaleinkaufs jedes Einzelnen am Kraftwerk beteiligen. „Alleine am Tag der Präsentation haben sich 200 Personen gemeldet“, so Ammer enthusiastisch – dabei muss die Wien Energie zunächst zwei Millionen Euro in die Errichtung des Kraftwerks investieren, bevor Käufer es rückfinanzieren. Offiziell, und auf ökologisch denkende Verbraucher mit Wunsch nach eigenem Minikraftwerk zugeschnitten, klingt das so: Der Bürger „kauft“ sein Element, Wien Energie zahlt die Rendite als „Miete“ zurück und speist den erzeugten Strom ins Netz ein.
Neben dem Standort Donaustadt sollen drei Kraftwerke mit Stromerzeugung für 600 Haushalte hinzukommen. Als Standorte sind das Verteilerzentrum der Post in Liesing sowie der Wiener Hafen im Gespräch. Doch Ort und Zeitpunkt der Erweiterung hängen wohl vom Erfolg des ersten Kraftwerks und vom Interesse privater Investoren ab. Letztere wollte man ursprünglich stärker einbinden – einerseits, um Geld, andererseits, um Dachflächen zugänglich zu machen.
Doch das Wort „Bürgerbeteiligung“ betonten die Vizebürgermeisterinnen Maria Vassilakou und Renate Brauner bei der Präsentation gestern, Dienstag, mehr als gerne: Wien sei als Wirtschaftsstandort gerade wegen seiner „Sicherheit“ beliebt, so Brauner, diese könne man durch „öffentlichen Einfluss“ sichern. „Man muss nicht reich sein, um mitzumachen“, so Vassilakou – man darf es gar nicht, denn für den Kauf von Paneelen gibt es eine Obergrenze von zehn Stück, also 9500 Euro. Eine Kooperation mit Unternehmen will Vassilakou aber nicht ausschließen, Gespräche gebe es. Es wird sie brauchen, wenn Solarstrom zum großen Player im Strommix der Stadt werden soll – im Vergleich zu den 800.000 Haushalten, die das Gaskraftwerk mit Strom versorgt, sind die 800 angestrebten Sonnenstrom-Haushalte ein deutlicher Schritt in die erneuerbare Richtung, aber nach wie vor ein kleiner.
