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Entführungsverdacht: Wiener Wirtschaftsanwalt vermisst

01.08.2012 | 13:34 |  (DiePresse.com)

Der Anwalt hatte zahlreiche Kontakte mit russischen Klienten und erhielt zuletzt zahlreiche Drohbriefe von mutmaßlichen Betrügern.

Der Wiener Wirtschaftsanwalt Erich Rebasso ist vermutlich entführt worden. Wie die Polizei am Mittwoch bekanntgab, wird der 48-Jährige seit Freitag vermisst. Gegen 14.45 Uhr verließ er seine Kanzlei in der Wiener Innenstadt und wollte zu einem Auswärtstermin ins südliche Niederösterreich fahren. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus, sagte Sprecher Roman Hahslinger. Rebasso hatte zahlreiche russische Klienten. Sein Name fiel auch in einem Fall um einen Anlegebetrug in Russland.

Eine Stunde nachdem Anwalt Erich Rebasso am vergangenen Freitag die Kanzlei verlassen hatte, versuchte eine Büromitarbeiterin ihn gegen 15.30 Uhr auf dem Mobiltelefon zu erreichen - ohne Erfolg. Bei seinem Termin in Niederösterreich kam der Anwalt nie an. Nachdem die Polizei die Suche nach dem 48-Jährigen aufgenommen hatte, wurde am Dienstag, um 15.30 Uhr das Fahrzeug in Wien-Simmering von einer Funkstreife gefunden. Der silbergraue Mercedes wird nun laut Sprecher Roman Hahslinger kriminaltechnisch untersucht.

Personendaten für Betrug verwendet

Rebasso ist Zivilanwalt, seine Kanzlei hat laut Polizei mehrere russische Klienten. Vor einigen Jahren sollen mit seinen Personaldaten in Russland Anlegerbetrügereien gemacht worden sein. Dabei wurden 25 bis 30 Privatanleger um je 50.000 bis 60.000 Euro geprellt. Der Anwalt hatte damals in Österreich Selbstanzeige erstattet, um zu beweisen, dass sein Name missbräuchlich für den Betrug verwendet worden war. Das Verfahren wurde später von der österreichischen Justiz eingestellt. In der Folge bekam Rebasso immer wieder schriftliche Drohungen an seine Anwaltskanzlei zugesandt.

Der Bruder des Vermissten, Michael Rebasso, gab in einer Stellungnahme gegenüber der APA an, dass Erich Rebasso im Jahr 2007 dadurch in die Betrugsaffäre hineingezogen wurde, weil unter Verwendung seines Briefpapiers und gefälschter Unterschriften in Russland Anlageverträge ausgegeben wurden. Auf diese Weise sei bei den geschädigten Anlegern der Eindruck entstanden, der Advokat wäre den Tätern zuzuordnen. "Wahr ist, dass Erich Rebasso von diesen Malversationen erst Monate später Kenntnis erlangte, als die ersten Anleger Ansprüche gegen ihn stellten", hieß es in der Stellungnahme.

Rebasso wurde bekannt, nachdem er Mitte der 1990er Jahre das Ehepaar Erika und Helmut Pilhar vertreten hatte, die eine medizinische Behandlung ihrer Tochter Olivia ablehnten. Zuletzt war er in den Medien, als er - nach Finanzamt, Wiener Flughafen und Krankenkasse - gegen den Souvenirshop-Betreiber Rakesh Sardana einen Insolvenzantrag eingebracht hat.

Die Polizei spricht von einem "dringendem Verdacht", dass der Vermisste einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Das Landeskriminalamt Wien ersucht um Hinweise unter der Telefonnummer 01 31310-33120.


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