Wien/Mpm. Wirklich glauben wird man es erst, wenn man es tatsächlich mit eigenen Augen den Donaukanal auf- und abfahren sieht. Denn schon zu oft hat der Donaukanal ein eigenes Bootstaxi nur beinahe bekommen.
Nach Jahren der Gerüchte, Pläne und Feldversuche soll es demnächst wirklich so weit sein: Bootstaxi-Betreiber Johann Litschauer will, wie er der „Presse“ sagt, noch heuer den Taxibetrieb aufnehmen. Wenn auch vorerst in einer Schmalspurvariante zwischen der Innenstadt und Nussdorf. Ein- und aussteigen kann man an der Anlegestelle unter der Salztorbrücke (auf der Seite des 1. Bezirks) sowie in Nussdorf unterhalb der Wehr (auf Höhe des „Plachutta“ in Heiligenstadt). Die Idee, die wohl besonders Touristen ansprechen dürfte: Mit dem Bootstaxi von der City zu den Nussdorfer Heurigen. Von der Anlegestelle sind einige Lokale leicht zu Fuß zu erreichen.
Wann genau das Bootstaxi, das bis zu zehn Passagiere fasst, seinen Betrieb aufnimmt, kann Litschauer noch nicht sagen. Die Anlegestellen sind aber so gut wie fertig, einige kleinere Arbeiten stehen noch aus, ebenso die Benutzungsbewilligung. „Es kann aber“, sagt Litschauer, „nicht mehr lange dauern.“ Gerufen wird das Bootstaxi per Telefon (0664/ 201 70 96).
Die Nummer kann man übrigens schon jetzt wählen, denn Litschauer betreibt seit bald 15 Jahren ein weiteres, etwas größeres Taxischiff, die „MS Skorpion“, mit der er jeden Vormittag mit maximal 28 Passagieren eine Nationalparktour durch die Donauauen fährt. Die „MS Skorpion“ kann auch für Feiern stundenweise gemietet werden.
75 Euro für eine halbe Stunde
Auch das kleinere Taxiboot, gelb gestrichen wie die New Yorker „Cabs“, konnte man schon das eine oder andere Mal am Donaukanal sehen. Zuletzt im Juni während des Donaukanaltreibens, bei dem das Boot für ein Wochenende zum Einsatz kommt und zwischen den Lokalen hin- und herfährt. Angelegt wurde auf improvisierten Stegen. „Das war aber kein richtiger Taxibetrieb“, sagt Litschauer, „sondern eher ein Spazierenfahren.“
Denn für einen echten Taxibetrieb fehlten – und fehlen auch künftig – Anlegestellen bei den Lokalen. Die Gastronomen am Kanal sind einem permanenten Taxibetrieb alles andere als abgeneigt („Ein nettes Angebot“, heißt es etwa auf dem Badeschiff), bisher zögerten aber alle, in eine teure Anlegestelle zu investieren. Die Strandbar Herrmann etwa wäre bereit, eine solche zu errichten, wenn sich mehrere Lokale am Taxibetrieb beteiligen würden.
Ob es soweit kommt, wird wohl davon abhängen, wie gut das Taxi zwischen Innenstadt und Nussdorf angenommen wird. Ganz billig ist so eine Fahrt mit dem Bootstaxi übrigens nicht. Eine halbe Stunde kostet 75 Euro – ein Betrag, der wohl nur bei voll besetztem Boot (10 Personen) halbwegs günstig ist.