Die Presse: In Wien wird gerade wieder über eine Kabarettförderung diskutiert. . .
Alfred Dorfer: Es gibt zur Subvention von Kabarett zwei Lehrmeinungen: Ich glaube, dass Kabarettprogramme nicht durch die Stadt gefördert gehören.
Warum?
Dorfer: Weil man Kritiker nicht mit staatlichem Geld unterstützt. Aber: Ich kann mir vorstellen, dass bei Häusern, die durch Bauarbeiten in Probleme geraten, wie Vindobona, Kulisse, die Stadt eingreift. Ich verstehe nicht, dass es eine Mittelbühnen-, aber keine Kabarettbühnenförderung gibt.
Sollten an eine Infrastrukturförderung Auflagen geknüpft sein?
Dorfer: Ja, etwa, dass Experimente im Programm Platz haben.
Für die hat derzeit keiner Geld. Die Kabarettbühnen klagen über die Finanzen, zu wenig Publikum. Ist das Kabarett in der Krise?
Dorfer: Es gibt eine Wirtschaftskrise, da sparen die Menschen beim Entertainment. Es fehlen den Bühnen auch die Termine der Kabarettisten, die zum Theater abwandern.
Sie selbst machen das ja auch.
Dorfer: Ich spiele u. a. sowohl in Kulisse als auch Akademietheater. In Letzterem auch, weil hierher Publikum kommt, das sonst nicht käme. Leute, die einen eigenen Sitzplatz wollen und verschiedene Kartenpreise. Das Ausgehverhalten hat sich seit den 80ern verändert.
Inwiefern?
Dorfer: Damals war es hip, dass man im Kabarett rauchen, trinken, essen kann, es einheitliche Tickets gibt. Das Publikum war auch neugieriger, pionierhafter, hat sich neue Leute angeschaut. Heute geht man zu jemandem, den man aus dem Fernsehen kennt, oder schaut sich daheim die DVD an.
Haben die Bühnen eine Entwicklung verpasst?
Dorfer: Man hat sich wohl zu sehr aufs Repertoire verlassen, statt Nachwuchs zu fördern, eigene Konzepte zu entwickeln, wie verrückte Mischformen mit dem Theater. Ich will nicht sagen, dass der Rabenhof ein Prototyp für Verrücktheit ist, aber: Er ist vielfältig.
Wie geht's jetzt weiter?
Dorfer:Der Begriff „Kabarett“ war immer eine Schublade, und die Grenze zwischen „Theater“ und „Kabarett“ ist jetzt noch diffuser. Die Isolation des Kabaretts wird nicht halten. Die klassische Kabarettbühne als Abspielstätte von Kabarettprogrammen hat ausgedient. uw