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Kein Witz: Krisenfall Kabarett?

10.10.2008 | 18:38 | GERHARD BITZAN UND ULRIKE WEISER (Die Presse)

Das Jammern der Kabarettbühnen wird immer lauter. Wien überlegt nun ein Förderkonzept. Derzeit laufen Gespräche mit den Betreibern.

Sie ist zuletzt zu einem Modewort geworden: die Krise. Und so ist es fast konsequent, dass mit dem Kabarett auch jene Branche, die sonst das Unglück auslacht, auch mit einer kämpft: der Wiener Kabarettkrise nämlich.

Und das zwar schon länger – schließlich wird seit dem letzten Höhenflug in den 80ern, 90ern, der, wie Theaterwissenschaftlerin Birgit Peter meint, damals auch mit der politischen Lage (Mauerfall etc.), Unsicherheiten und deren Bewältigung zusammenhing, gejammert –, in jüngster Zeit aber doch immer lauter. So musste unlängst das „Vindobona“ erst geschlossen, dann ans „Simpl“ verkauft werden.

Und ganz wie bei der „großen“ Finanzkrise wird nun auch hier der Staat, sprich: die Stadt aufgefordert, beizuspringen. Und so hat Wien jetzt Kleinbühnenbetreiber zu Gesprächen geladen. Laut Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny für eine „Bestandsaufnahme“: „Ich möchte einen Überblick haben, wie die wirtschaftliche Lage der Bühnen tatsächlich aussieht.“ Hintergrund: Anders als die Theater, erhalten Kabarettbühnen seit Jahren keine generellen Betriebsförderungen. Von der Stadt gab es aber in den letzten Jahren mehr als zwei Mio. Euro Zuschüsse und über die Stadtwerke-Tochter Fernwärme wurden namhafte Sponsorenbeiträge ausgeschüttet, wie Mailath-Pokorny betont. Wie eine neue Förderung aussehen könnte, ist noch unklar. In einem Monat wisse man, „in welche Richtung es geht“, so der Stadtrat vage.

Fördern oder nicht, die Frage ist heikel. Und auch für langjährige Kabarettisten wie Alfred Dorfer, der sich auch wissenschaftlich mit dem Thema Kabarett befasst (s. Interview S. 18.), nicht mit Ja oder Nein zu beantworten: Kabarettprogramme, meint Dorfer, gehören zwar nicht von der Stadt gefördert. Aber: Geld für die Infrastruktur sollte schon fließen – „wenn es im Programm dann Platz für Experimente gibt“. Für die haben die Bühnen laut eigenen Angaben kein Geld. Es reicht, wie Doris Ringseis, Geschäftsführerin der Kulisse, klagt, kaum zum Überleben: „Die Kosten etwa für Miete und Energie sind massiv gestiegen. Wir brauchen eine Grundsicherung.“ Auch Christoph Hauk, Orpheum-Geschäftsführer, sagt: „Wir jammern zwar nicht öffentlich, aber Fakt ist: Wir stehen jeden August am Rande des finanziellen Untergangs.“ Und er findet – wie viele Kollegen –, dass es „nicht hinhaut, mit der Gerechtigkeit in der Stadt“.

 

Alle gegen den Rabenhof?

Gemeint ist damit zuallererst das Rabenhoftheater, das im Satirefach zuletzt populär wurde und mit 700.000 Euro jährlich gefördert wird. Was für Unmut sorgt, den Direktor Thomas Gratzer nicht versteht: Schließlich mache man zwar auch Kabarett (etwa ein Viertel des Programms), erhalte das Geld aber für anderes: Nachwuchsförderung, Uraufführungen, Kindertheater, originäre Produktionen. Weil: „Das Kabarett bringt ja Geld.“

Weswegen er wenig Verständnis für die Forderungen der Kabaretteigner hat. Diese hätten versäumt, „in der Zeit, wo sie gut verdienten, zu investieren“: in Nachwuchs, Infrastruktur, eigene Produktionen. „Man weiß seit 15 Jahren, dass die Krise kommt.“ Der Rabenhof selbst sei mit Cross-over-Poduktionen wie „maschek“ eine andere Strategie gefahren: „Außer uns hat kein Kabarettbetreiber jemals Interesse gehabt, Nachwuchsprojekte jenseits von – ein Kabarettist steht auf der Bühne und ist lustig – zu finanzieren.“ Dass der Rabenhof heute auch junges Publikum habe und – nicht unstolz – auch als Außenstelle des Radiosenders FM4 bezeichnet wird, sei harte Arbeit gewesen.

Klar ist, dass die Gesprächsrunde im Rathaus nicht in eine generelle Kabarettförderung münden wird. Die Opposition, Marie Ringler von den Grünen und Franz Ferdinand Wolf (ÖVP), sind nur für Unterstützung, wenn es Eigenleistungen der Kabaretts gibt – zum Beispiel Nachwuchsförderung.

Interview mit Alfred Dorfer Seite 18

Meinung Seite 43


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