Innsbruck/Lienz. Grippealarm in Osttirol: In Lienz blieben am Dienstag 26 von 286 Schülern der Landwirtschaftlichen Lehranstalt dem Unterricht fern. Sie dürften am H1/N1-Virus erkrankt sein, wie der Leiter der Tiroler Landessanitätsdirektion, Christoph Neuner, im Gespräch mit der „Presse“ vermutete.
Schon in der Vorwoche klagten 35 Schüler der betroffenen Schule über Übelkeit, woraufhin die Behörden informiert wurden. Testergebnisse des Gesundheitsamtes – man vermutete ursprünglich eine Lebensmittelvergiftung – bestätigten am Dienstagmorgen, dass virale Infekte, darunter H1/N1, die Ursache sind.
Begleitinfektion in Innsbruck?
Die 26 erkrankten Lienzer Schüler, die am gestrigen Dienstag dem Unterricht fernblieben, sind allesamt im Internat der Landwirtschaftlichen Lehranstalt untergebracht, wo die Ansteckung auch erfolgt sein dürfte, so Landessanitätsdirektor Neuner. Am Dienstagnachmittag beschlossen Bezirkshauptmannschaft und Gesundheitsexperten, die Lehranstalt bis nach Allerseelen zu schließen, um weitere Infektionen unter den knapp 300 Schülern zu vermeiden. Die Behörden reagieren damit äußerst vorsichtig, das Gesundheitsministerium rät erst dann zu einer Schließung, wenn 50Prozent der Schüler einer Schule infiziert sind.
„Grund zur Panik besteht nicht“, sagt Neuner. Er verweist darauf, dass die „Neue Grippe“ im Normalfall nicht anders verläuft als eine herkömmliche Infektion mit der sogenannten saisonalen Grippe. Er bestätigt auch, dass unter den Rachenabstrichen der betroffenen Schüler lediglich virale, aber keine bakteriellen Infekte nachgewiesen werden konnten. Von Komplikationen oder kritischen Krankheitsverläufen unter den Schülern sei bislang nichts bekannt. Wie lange die Landwirtschaftliche Lehranstalt geschlossen bleiben muss, war am Dienstagabend noch unklar.
Schwere Grippe bei Elfjähriger
Weitaus schwerwiegender verläuft die H1/N1-Infektion allerdings bei einer elfjährigen Südtirolerin, die seit vergangenem Freitag an der Universitätsklinik Innsbruck behandelt wird. Hier könnte das verhängnisvolle Zusammenspiel zwischen einer viralen und einer bakteriellen Infektion eine Rolle spielen und die Symptome somit noch verstärken.
Das interdisziplinäre Medizinerteam, das mit der Betreuung der elfjährigen H1/N1-Patientin aus Bozen betraut ist, bezeichnet den Zustand des Mädchens als „äußerst kritisch“. Die Schülerin aus Südtirol dürfte an einer sehr seltenen und sehr schweren Ausprägung der Grippeerkrankung leiden. „Warum die Krankheit bei dem Mädchen so schwer verläuft, ist selbst den Ärzten nicht ganz klar“, sagte Johannes Schwamberger, Sprecher der Universitätsklinik Innsbruck.
Klagte das Mädchen bei seiner Einlieferung in Bozen in der Vorwoche noch über die Symptome Fieber und Atemnot, so verschlechterte sich ihr Zustand innerhalb kurzer Zeit. Am Freitag musste ein Innsbrucker Kardiologe nach Bozen reisen, um das Mädchen an die Herz-Lungen-Maschine anzuschließen und an die Universitätsklinik nach Nordtirol zu überstellen. Der Zustand der jungen Patientin, die vor der Erkrankung völlig gesund war, hat sich seit der Überstellung nicht verbessert.
Derzeit werde abgeklärt, ob die Schülerin zusätzlich zum viralen Infekt auch unter einer bakteriellen Infektionen leidet. Die Mediziner führen permanent Tests durch, die Klarheit bringen sollen. Die am Dienstag geäußerte Vermutung des Wiener Infektiologen Christoph Wenisch, es könne sich um eine Staphylokokken-Superinfektion handeln, bestätigen die Innsbrucker Ärzte nicht. Wie Wenisch zu diesem Verdacht komme, sei unverständlich, da er mit der Patientin bisher nichts zu tun hatte.
„Panik unangebracht“
Der Zustand der Südtirolerin, so betont die Klinikleitung in Innsbruck, sei zwar besorgniserregend. Dennoch bestehe keinerlei Grund zur Panik, da ein solcher Krankheitsverlauf „extrem selten“ sei und auch bei herkömmlichen Grippeerkrankungen vorkommen könne: „Normalerweise kann eine H1/N1-Erkrankung problemlos in Heimbetreuung kuriert werden.“
