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Grippeimpfung: Sind Säuglinge sicher?

01.11.2009 | 18:45 | ANDREAS WETZ (Die Presse)

Die Bevölkerung ist skeptisch. Einer Studie, die die Sicherheit des Impfstoffs für Säuglinge prüfen soll, fehlen die Probanden. Derzeit sind 510 akute H1/N1-Fälle in Österreich bekannt.

Wien. Ist der in Österreich zur Massenimpfung zugelassene und seit vergangener Woche auch eingesetzte Impfstoff gegen die Neue Grippe („Schweinegrippe“) sicher? „Celvapan“-Hersteller Baxter und die Gesundheitsbehörden sagen Ja. Die Bevölkerung, insbesondere Eltern von Kindern, ist jedoch skeptisch. Die Skepsis führt sogar so weit, dass für eine zwingend vorgeschriebene klinische Studie, die die Sicherheit von „Celvapan“ bei Säuglingen prüfen soll, noch Probanden fehlen.

„Öffentliche Diskussion und mediale Berichterstattung haben dazu geführt, dass viele Eltern verunsichert sind“, sagt Elisabeth Förster-Waldl, Kinderärztin und Immunologin der Medizin-Uni Wien. Seit Anfang Oktober sucht sie nach Impfstoffnebenwirkungen bei Kindern von sechs bis elf Monaten. Obwohl „Celvapan“ längst zum flächendeckenden Einsatz zugelassen ist, ist die Säuglingsstudie noch nicht abgeschlossen. Um endlich auf die nötige Anzahl von 400 unter Studienbedingungen geimpften Kindern zu kommen, schaltete die Universität am Wochenende sogar Inserate in Zeitungen. Mit mäßigem Erfolg. „Das Interesse war nicht gerade überwältigend“, so die Auskunft bei der Eltern-Hotline. Und das, obwohl die Teilnahme am Impfprogramm damit beworben wurde, die verantwortlichen Eltern finanziell für ihren „Zeitaufwand“ zu entschädigen.

Dass „Celvapan“ überhaupt vor Abschluss einer klinischen Studie unter Säuglingen zugelassen wurde, hat damit zu tun, dass die europäische Arzneimittelbehörde (Emea) und die österreichische (Ages) aufgrund des angeblich akuten Handlungsbedarfs im Fall H1/N1 eine Ausnahme machten. Die klinischen Studien durften parallel geführt werden.

Jene für Erwachsene ist inzwischen fertig. Außer den üblichen Nebenwirkungen (Schmerzen an der Einstichstelle, Hautrötungen, erhöhte Temperatur) wurden keine weiteren entdeckt. Stoßen die Wissenschaftler bei der Säuglingsstudie unter den Probanden auf schwerwiegende Komplikationen, könnte der Impfstoff aber im Nachhinein und für die angesprochene Zielgruppe vom Markt genommen werden. Theoretisch. Derzeit, das sagen die Studienautoren, zeichnen sich nämlich bei den bisher getesteten Babys keine ernsten Nebenwirkungen ab.

 

Bisher drei schwere Grippefälle

Doch nicht nur Eltern von Kleinkindern sind verunsichert, selbst Ärzte, die sich seit vergangener Woche gegen H1/N1 immunisieren lassen können, gehen überraschend selten zur Impfung.

Unverändert kritisch ist der Zustand jener drei Grippepatienten, bei denen die Krankheit einen überraschend schweren Verlauf genommen hat. Nach wie vor liegen in Innsbruck ein elfjähriges Mädchen, in Salzburg ein 41-jähriger Mann und in Wien eine 18-jährige Schwangere auf der Intensivstation.

Im Gesundheitsministerium lässt man sich durch diese Fälle nicht aus der Ruhe bringen. Bei weiteren 507 bekannten Infektionen verläuft die Krankheit nämlich mild. Und: „Wir gehen davon aus, dass deutlich mehr Menschen das Virus in sich tragen, die Symptome jedoch gar nicht spüren“, sagt Hubert Hrabcik, Generaldirektor für die öffentliche Gesundheit.

Die schwierige Situation in der Ukraine (siehe Seite 6), wo von 200.000 Infizierten die Rede ist, habe keine unmittelbaren Auswirkungen auf Österreich. Die Zahl der Betroffenen, so Hrabcik, entspreche den „nicht optimalen“ Vorbereitungen dort. Seuchenteppiche oder gar Wärmebildscanner zum Aufspüren von Kranken auf Flughäfen seien kein Thema. Seiten 6, 17

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