Ein halbes Jahr, nachdem das Virus A/H1N1, der Auslöser der „Neuen Grippe“, in Mexiko und den USA festgestellt worden ist, hat er sich auf die ganze Welt ausgebreitet: Er tauchte nachweislich in mindestens 172 von 192 Staaten auf und forderte in etwa 100 Ländern Todesopfer.
Die Zahlenlage wird zusehends unsicher – etwa, weil arme Staaten überfordert sind und Gesundheitsbehörden oft nicht mehr jede Infektion speziell registrieren und der Weltgesundheitsorganisation melden. Weltweit ist von etwa 6800 Todesfällen bei 940.000 Erkrankungen auszugehen. Die meisten Toten gab es in den USA und Brasilien. Dutzende Staaten melden keine Todesfälle, darunter die Schweiz und Algerien. Vor allem in Afrika haben viele noch nicht einmal Erkrankungen gemeldet, etwa der Tschad, Burkina Faso, Mali.

Von der Durchseuchung her, also bestätigten Fällen pro 10.000 Einwohner, liegen (Grafik) eher unerwartete Länder beziehungsweise Territorien vorn, nämlich die Cookinseln (89 Fälle auf 10.000 EW) und Macao (46,9); auch Portugal hat es mit 24,5 Fällen/10.000 EW arg erwischt. Allerdings gab es in den meisten dieser Länder nur sehr wenige bestätigte Todesopfer (etwa Brunei und Island je eines).
Erste Tote in Innsbruck
An der Innsbrucker Uni-Klinik starb am Montag eine elfjährige Südtirolerin: Das Mädchen war am 23. Oktober aus Bozen überstellt worden; seither verschlimmerte sich der Zustand laufend. Zusätzlich zur Neuen Grippe war ein bakterieller Infekt in der Lunge aufgetreten. Diese Kombination aus viralem und bakteriellem Infekt konnten die Ärzte nicht in Griff bekommen. Das Mädchen musste künstlich beatmet werden (mehr ...).
Während im Norden wegen der aktuellen „Normalgrippe“ ganze Schulklassen ausfallen, was den Eindruck einer flächendeckenden Epidemie erweckt, ist tatsächlich der Raum Neapel mit 12,4 Kranken/1000 EW mehr als doppelt so stark betroffen. Hier starben acht der 14 H1N1-Opfer Italiens.
Aus dem Berliner Robert-Koch-Institut hieß es am Montag, die Welle habe voll eingesetzt: Vorletzte Woche habe es 3075 Neuinfektionen gegeben, in der Woche davor 1860. Bisher gab es sechs Tote; an der gewöhnlichen Grippe sterben in Deutschland zwischen 5000 und 15.000 Menschen im Jahr.s
Großbritannien hat in Europa die meisten Toten, etwa 140. Dennoch verschwand die Seuche, ob der im Sommer fast Hysterie herrschte, aus den Schlagzeilen. Gut 750 Menschen sind in Spitalsbehandlung, die Zahl der Neuinfektionen fällt seit Juni beständig.
Der englische Fußballverband warnt Spieler, ständig zu spucken. Es sei „eine Hauptansteckungsquelle“. Zuvor hatte der FC Blackburn spöttisch erklärt: „Wir haben gegen Chelsea verloren, aber den Gegner wahrscheinlich angesteckt. Bei uns gibt es zwei Kranke.“