WIEN (stög.). Das Unternehmen lief bisher unter größter Geheimhaltung. Seit dem Wassereinbruch in die Albertina Ende Juni sind Beamte der Eliteeinheit Cobra dazu abkommandiert, Nacht für Nacht die Kunstwerke im Hochsicherheitstrakt zu bewachen. Tagsüber erledigt das hingegen ein privater Sicherheitsdienst.
Zur Frage, warum gerade seit Juli nächtens Cobra-Beamte aus den Bundesländern in die Albertina ausrücken müssen, hieß es am Mittwoch bei der Wiener Polizei zur „Presse“: „Das Landesamt für Verfassungsschutz hat eine Gefahrenanalyse erstellt. Die dort gelagerten Güter sind von bedeutendem Wert für Österreich, daher ist der nächtliche Einsatz laut Sicherheitspolizeigesetz gerechtfertigt.“ Dafür existiere hochoffiziell ein Behördenauftrag. Wie lange diese Art der Bewachung allerdings noch dauern soll, kann die Polizei nicht sagen.
Polizeiintern stößt diese Art der Sicherung allmählich auf Kritik. Zudem stand die Albertina bisher nie im Visier von Kunstdieben. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum hoch spezialisierte Elitepolizisten Nacht für Nacht in einem Museum sitzen müssen“, meint ein hoher Exekutivbeamter, der ungenannt bleiben will, zur „Presse“. Er mutmaßt aber, dass die nächtliche Bewachung durch die Polizei für die Albertina billiger kommt als jene durch einen privaten Sicherheitsdienst.
„Was passiert, wenn jetzt andere bedeutende Museen auf uns zukommen und ebenfalls den Wunsch an uns herantragen, dass ihre wertvollen Exponate von Polizisten geschützt werden?“, fragt nun der Beamte. Das Kunsthistorische Museum, wo im Mai 2003 ein Einbrecher über ein Baugerüst eingestiegen und die „Saliera“ von Benvenuto Cellini entwendet hat, hätte ein gutes Argument.