Wien (APA/red.). „Die Jugend wird immer krimineller“ oder „Brutalokids terrorisieren Wien“. Es ist nicht so lange her, da hievte jede neue Kriminalstatistik Jugendliche in die Schlagzeilen. Denn: 2008 gab es einen merkbaren Anstieg bei den Anzeigen und somit diesen Jänner eine bedenkliche Bilanz. Allerdings: 2009 erwies sich doch als anders. Die Jugendkriminalität sinkt heuer deutlich.
So ging in den ersten sechs Monaten die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen um zwölf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zurück (siehe neben stehende Grafik). Am stärksten war der Rückgang – um 19 Prozent weniger Tatverdächtige – bei den Zehn- bis unter 14-Jährigen. Bei den 14- bis unter 18-Jährigen gab es um knapp elf Prozent weniger. Und bei den unter Zehnjährigen betrug der Rückgang 4,8 Prozent. Bemerkenswert ist, dass der Anteil jugendlicher Täter unter 18 Jahren bei Verbrechen bei 20 Prozent liegt. 2008 waren es fast 30 Prozent. Nur wenige davon waren allerdings Einbrecher. So zählt ein (Supermarkt-)Einbruch, wie ihn die mutmaßlichen Täter in Krems mit tragischem Ausgang verübt haben sollen, laut Bundeskriminalamt bei Jugendlichen zu den eher untypischen Delikten. 2007 zum Beispiel gab es bei Einbrüchen 3305 Tatverdächtige in der Gruppe der 14- bis 18-Jährigen und 452 bei den Zehn- bis 14-Jährigen.
An der Spitze der üblichen Delikte stehen vielmehr Vandalismus, gefolgt von Ladendiebstählen und solchen im Klassenzimmer. Der Anreiz dort laut Kriminalisten: Die Kinder haben oft sehr teure Elektronikgeräte dabei. Auch Körperverletzungen zählen nach wie vor zu den Klassikern, genauso wie der viel zitierte Handyraub. Der aber rückläufig ist, wie die im Oktober 2008 in Wien eingesetzte Sondereinsatzgruppe zur Bekämpfung der Jugendkriminalität bestätigt. Von Jänner bis April sank die Zahl derartiger Überfälle in Wien im Vergleich zum Vorjahr von 265 auf 125. Den Grund für den generellen Rückgang der Jugendkriminalität sehen Kriminalisten übrigens bei sich selbst – sprich: in der erhöhten Aufmerksamkeit von Polizei und Justiz nach den Jugenkriminalitätsdiskussionen der vergangenen Jahre. Zudem hätten Präventionsprogramme gegriffen. Allerdings: Es gibt auch neue „Trends“: So berichten Beamte von stärkerer Bewaffnung (Messer, Schlagringe etc.) und einem steigenden Anteil von kriminellen Mädchen. Anders als bei Burschen treibt sie aber weniger die Gücksspiel- als vielmehr die Drogensucht.