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Krems: Drei Jahre für tödliche Schüsse?

10.08.2009 | 18:53 |  (Die Presse)

In Krems und Wien fanden Demonstrationen gegen Polizeigewalt statt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Korneuburg wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen.

krems (gr). Die Staatsanwaltschaft Korneuburg ermittelt wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen gegen die beiden Polizisten, die am vergangenen Mittwoch einen 14-jährigen mutmaßlichen Einbrecher erschossen haben sollen – darauf stehen bis zu drei Jahre Haft.

In den nächsten Tagen soll eine Tatrekonstruktion in dem Kremser Supermarkt näheren Aufschluss über die Vorgänge in der Nacht bringen, in der Florian P. umgekommen ist und ein zweiter mutmaßlicher Einbrecher, ein inzwischen 17-Jähriger, schwer verletzt wurde. Die „besonders gefährlichen Verhältnisse“ könnten aufgrund der Dunkelheit, die bei dem Zwischenfall geherrscht hat, erschwerend dazukommen.

Die Vernehmung von Zeugen, die die beiden Jugendlichen oder den dritten Verdächtigen, einen 28-jährigen Rumänen, beim Einbruch in den Supermarkt beobachten hätten können, hat am Montag unterdessen keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Polizei geht nach wie vor von drei Tätern aus, die versucht hatten, in den Markt einzubrechen.

Die Ermittler erwarten die Ergebnisse der medizinischen und ballistischen Gutachten in den kommenden Wochen. Erst dann wird feststehen, ob gegen die Polizisten Anklage erhoben wird. Der 17-Jährige hatte ausgesagt, dass er und sein Mittäter bereits auf der Flucht waren, als die Beamten das Feuer eröffneten. Unterdessen geht die öffentliche Auseinandersetzung weiter, wie das Verhalten der beiden Polizisten in dem Supermarkt einzuschätzen sei. Gleich zwei Kundgebungen wenden sich in diesem Zusammenhang gegen vermeintliche „Polizeigewalt“: Am Sonntagnachmittag demonstrierten rund 60 Menschen nach einem Aufruf des linken Onlineportals „indymedia“ gegen die Polizisten.

Mit Sprechchören wie „Florian P., das war Mord, Widerstand an jedem Ort“ oder „Hass, Hass, Hass!“ zogen die großteils jugendlichen Teilnehmer durch Krems, die Kundgebung verlief friedlich. Für Montagabend war zusätzlich eine Mahnwache beim Wiener Innenministerium angekündigt.

 

„Waffeneinsatz unvermeidbar“

In Schutz genommen wurden die Polizisten von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (VP). Gegenüber der „Kronen Zeitung“ rief er dazu auf, dass mit der „Hatz auf Polizisten“ Schluss sein müsse. Auch der Bundeseinsatztrainer der Polizei, Martin Hollunder-Hollunder, verteidigt indirekt den Schusswaffengebrauch im Chat mit Usern von diepresse.com: Die Polizistenausbildung ziele zwar darauf ab, Verletzungen zu reduzieren – „Ganz vermieden können lebensbedrohende Waffengebräuche bei keiner Exekutive dieser Welt werden“.


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