KREMS/wien (APA/red.). Im Fall des am 5.August in einem Kremser Supermarkt von der Polizei erschossenen 14-Jährigen will die Staatsanwaltschaft Korneuburg den Schützen noch einmal einvernehmen. Das sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft, Karl Schober. Es gibt Hinweise, wonach der 14-Jährige und der 16-Jährige die mitgeführten Werkzeuge, eine Gartenharke und einen Schraubenzieher, eingesteckt – und nicht in der Hand gehabt haben.
Schober bestätigte, dass sich beim getöteten 14-Jährigen ein Werkzeug „in Körpernähe“ des Jugendlichen befunden habe. Er könne allerdings nicht sagen, ob der Bursch dieses unmittelbar vor der Schussabgabe eingesteckt hat oder nicht. Laut ORF sollen Harke und Schraubenzieher nach Schussabgabe in einer Pullovertasche bzw. unter einer Jacke der Jugendlichen entdeckt worden sein.
Im Stehen geschossen
Vor allem das nun vorliegende Gutachten des Schießsachverständigen Ingo Wieser belastet den Schützen massiv („Die Presse“ berichtete). Der Polizist hatte erklärt, aus einer Entfernung von vier bis fünf Metern kniend auf die Beine des 14-Jährigen gezielt zu haben. Laut Gutachten dürfte der Mann aber im Stehen aus einer Entfernung von 1,8 bis zwei Metern geschossen haben. Die Darstellung des Beamten bezüglich Schussabgabe „steht in Widerspruch zu objektiv festgestellten Spuren“, heißt es im Gutachten.
Das Projektil drang dem Jugendlichen unterhalb des linken Schulterblatts in den Rücken. Er hatte keine Überlebenschance.
Insgesamt drückten die Beamten dreimal ab. Die Polizistin gab zunächst einen Warnschuss ab, dann feuerte ihr Kollege auf den 14-Jährigen, während sie noch einmal auf dessen 16-jährigen mutmaßlichen Komplizen (er ist mittlerweile 17 Jahre alt) schoss. Die Burschen sollen angeblich Anstalten gemacht haben, mit den genannten Werkzeugen auf die Uniformierten loszugehen.
Die von den Beamten behauptete Notwehrversion erscheint aber auch insofern fraglich, als der Ballistiker feststellte, dass zum Zeitpunkt der Schussabgabe zwischen dem 16-Jährigen und der Polizistin bereits eine Entfernung von sieben Metern bestand. Der Bursch dürfte somit bereits im Begriff gewesen sein, den Raum zu verlassen, was zu seiner Aussage passen würde, er habe angesichts der Polizei die Flucht ergriffen.
Polizisten bleiben im Dienst
Das Landespolizeikommando Niederösterreich sieht nach Bekanntwerden der die Beamten belastenden Gutachten „derzeit keinen Handlungsbedarf“. Wie Oberstleutnant Roland Scherscher erklärte, versehen der Beamte, der den tödlichen Schuss abgeben hat, und seine Kollegin bis auf Weiteres Dienst.
Die beiden wurden laut Scherscher bereits unmittelbar nach dem tödlichen Zwischenfall von ihrem bisherigen Einsatzort Krems abgezogen und verrichten seither Innendienst.