Alle Jahre wieder – kommt irgendwann, Wochen vor Weihnachten, die gleiche Diskussion: Startet heuer nicht alles früher? Eine weihnachtliche Beleuchtung hier, ein Punschstand dort? Heuer sind es nicht nur die Konsumenten, die den Verdacht hegen, dass das Weihnachtsgeschäft still und leise versucht, sich immer früher im Herbst breit zu machen. Das glaubt auch Walter Bachofner vom Verein der Kaufleute der Mariahilfer Straße. „Leider ja“, seufzt er, „es fängt immer früher an.“
Bereits Mitte Oktober habe er in den Auslagen erste Weihnachtsdekoration ausgemacht. „Herbst soll Herbst und Weihnachten noch etwas Besonderes bleiben.“ Sein Verdacht: „Viele fangen jetzt schon an, damit sie vor Weihnachten noch den Ausverkauf unterbringen.“
„Alles wie gehabt“
Auch Rainer Trefelik, Obmann der Kaufleute der Kärntner Straße, kann sich eines ähnlichen Eindrucks nicht erwehren. „Wenn ich mir manche Dekorationen anschaue, dann ist es schon sehr weihnachtlich.“ Wenngleich er einräumt, dass ihn vielleicht die Erinnerung ans Vorjahr trügt. „Schließlich schreibt ja keiner mit.“ Offiziell beginne die Sache in der Kärntner Straße jedenfalls erst vier Samstage vor Weihnachten.
Blickt man hingegen auf die offiziellen Parameter für das Weihnachtsgeschäft, dann, versichern alle, habe sich auch heuer nichts verändert. Alles wie immer, meint Nicole Berkmann, Sprecherin von Spar. „Der Eindruck, dass alles früher beginnt, besteht seit vielen Jahren – ein eigenartiges Phänomen. Geht es nach der Wahrnehmung, müssten wir schon im Jänner angekommen sein.“
Auch bei Rewe (Billa, Merkur) pflichtet man bei. Schoko-Nikoläuse seit Mitte/Ende Oktober, Weihnachtsware seit Anfang November – ganz normal. Auch die Weihnachtsmärkte von Kika und Leiner haben „wie in den vergangenen Jahren“ seit Mitte Oktober geöffnet, „um den Kunden Zeit zu bieten“.
Also täuscht der Eindruck, das Weihnachtsgeschäft starte immer früher. Ja, sagt auch Fritz Aichinger, Obmann der Händler in der Wiener Wirtschaftskammer: „Wie immer starten wir sechs Wochen vorher.“ Aber sogar die Weihnachtsbeleuchtung hängt doch schon? Stimmt, heißt es bei der Wirtschaftskammer. Aber eingeschaltet werde sie, wie gehabt, erst in der letzten Novemberwoche. Auch die Punschstände sind weder mehr geworden – wie immer etwa 150 – noch sperren sie früher auf als sonst, vielmehr wie gewohnt Mitte November, heißt es beim Marktamt.
Mit Umsatzeinbußen rechnen die Weihnachtsmärkte allesamt nicht. Schon im Vorjahr, als viele ob der Wirtschaftskrise ein fettes Minus prognostizierten, hätten sich die Besucher beim Adventzauber auf dem Rathausplatz „geschoben wie nie zuvor“, sagt Sprecher Andreas Zenker. Die große Nachfrage nach den 140 Ständen zeige, dass das Geschäft nach wie vor gut laufe. „Für ein Event wie Weihnachten“, sagt Cornelia Klement, Sprecherin der Wiener Weihnachtsdörfer (Altes AKH, Maria-Theresien-Platz, Belvedere), „geben die Menschen trotz Krise gern Geld aus.“
Handel „vorsichtig optimistisch“
Darauf hofft man auch in den Geschäften. Bei den Händlern herrscht stimmungsmäßig „vorsichtiger Optimismus“, wie es der Standortberater Regioplan formuliert. Die Konsumstimmung sei gut, man dürfe aber nicht vergessen, dass die Krise noch nicht vorbei sei. Auch Handelsobmann Aichinger ist positiv gestimmt. „Bis September lagen die Umsätze auf Vorjahresniveau. Ich gehe davon aus, dass das Geschäft ähnlich wie 2008 läuft – und sich die Leute zu Hause ein schönes Fest machen.“