Wien. Massen, die an Seen und in die Bäder pilgern, hitzegeplagte Touristen oder Fiakerpferde und ein Ruf nach Hitzeferien – zum Finale zeigt der Sommer, was er kann. Die langjährigen Rekorde aber sind am Montag nicht wie vermutet gefallen. 37,9 Grad hat die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am späten Montagnachmittag im Hitzepol Hohenau an der March gemessen. Mehr, heißt es, dürfte es vorerst nicht werden.
Extreme Hitzetage wie dieser – von Hitzetagen sprechen Meteorologen bei mehr als 30 Grad – werden häufiger. „Vergleicht man die Zeiträume von 1961 bis 1990, 1971 bis 2000 und 1981 bis 2010, dann sieht man, dass die Zahl der Hitzetage in allen Landeshauptstädten deutlich zugenommen hat“, sagt Alexander Orlik von der ZAMG. Zwischen 1961 und 1990 wurden in Wien, in der Messstation Hohe Warte, im Schnitt 9,6 Hitzetage pro Jahr gezählt, zwischen 1981 und 2010 waren es 15,2.
Dieser Sommer ist heiß
Heuer (inklusive Montag) gab es in Wien bisher 26 Hitzetage. Damit liegt die Zahl der Hitzetage über allen Mittelwerten, die ZAMG bestätigt das gemeine Empfinden, der heurige Sommer sei ein besonders heißer. Von Rekorden sind die Wetterwerte aber noch entfernt. Wie schon seit Jahren: Aller Angst vor der Klimaerwärmung zum Trotz wurde ein neuer absoluter Rekord in Österreich seit bald 30 Jahren nicht verzeichnet.
Gemeinhin spricht man nach wie vor von jenen 39,7 Grad, die am 27. Juli 1983 im Kärntner Dellach registriert wurden, als österreichischem Hitzerekord. So ganz dürfte das aber nicht stimmen. Schließlich, so erklärt Orlik, sei die Methode damals noch nicht ganz so exakt gewesen wie heute, beispielsweise seien damals die Wetterhütten nicht belüftet worden. Eher, so Orlik, seien jene 39,5 Grad, die im Juli 2007 in Andau im Burgenland gemessen wurden, der eigentliche Rekord. „Dieser Wert spiegelt auch die Temperaturerhöhung wider“, so Orlik. Und es soll nicht der höchste in Österreich mögliche Wert sein.
40 Grad sind möglich
Die Klimaforscher Europas seien sich einig, dass sich der Trend, dass Temperaturen ansteigen, fortsetzen werde. „In Österreich sind 40 Grad durchaus möglich, physikalisch spricht nichts dagegen“, sagt Orlik. Ab wann und wie häufig diese vorkommen werden, ließe sich aber nicht vorhersagen. Die Angst, eines Tages würde in Österreich die oft beschriebene Sahara-Hitze tatsächlich dauerhaft herrschen, muss man nicht haben. „An der geografischen Lage Österreichs ändert sich ja nichts, die Temperaturen sind durch die mögliche Sonneneinstrahlung beschränkt“, beruhigt Orlik.
Auch in den kommenden Jahren dürfte sich das Temperaturspektrum, in dem wir leben, nicht dramatisch verschieben. Die Prognosen, so sagt Orlik, gingen davon aus, dass sich in den kommenden 20, 30 Jahren „nicht so viel“ tun werde. Danach dürfte die Zahl der Hitzetage und Sommertage (davon spricht man bei 25 Grad und mehr) erheblich steigen. Für den Zeitraum von 2071 bis 2100 berechnen Klimamodelle beispielsweise für Wien 20 bis 35 Sommertage mehr als heute. Zwischen 1981 und 2010 gab es im Schnitt 65 Sommertage in Wien.
Wir – oder zumindest die kommenden Generationen – dürfen uns also auf extremere Sommer einstellen. Scheinbar ein krasser Gegensatz zu jenen Ergebnissen, mit der der ZAMG-Klimatologe Reinhard Böhm vor wenigen Monaten für Aufsehen sorgte.
Schließlich hat er die Wetterdaten des Alpenraumes aus 250 Jahren ausgewertet und ist dabei zum Ergebnis gekommen, dass Wetterextreme – also Schneefall, Starkregen, Sturm, Trockenheit oder Temperaturrekorde –, anders als gemeinhin angenommen, nicht mehr werden.
Böhm hat allerdings als Maß für Extreme die Abweichungen vom Durchschnitt angenommen. „Die Spitzentemperaturen nehmen zu, zugleich steigt die Durchschnittstemperatur, die Zahl der Frost- und Eistage nehme ab. „Der gesamte Temperaturbereich wandert nach oben“, erklärt Orlik.

Hochsommer hält noch an
Trotzdem, in den kommenden Tagen dürften die bisherigen Rekorde in Österreich eher nicht geknackt werden. Anders als in anderen Ländern Mitteleuropas. In Frankreich oder Italien hat das afrikanische Hoch die Temperaturen auf mehr als 40 Grad gedrückt. Selbst in Deutschland wurde die Marke von 39 Grad in mehreren Orten erreicht.
Hierzulande aber dürften die Spitzentemperaturen – für diese Woche zumindest – schon gemessen worden sein. Es bleibe heiß, der Höhepunkt aber sei der Montag gewesen, heißt es von der ZAMG. Dienstag und Mittwoch bleiben hochsommerlich, Gewitter sind möglich. Der Donnerstag soll Abkühlung bringen, bevor der Hochsommer am Freitag ein (vermutlich kurzes) Comeback feiern wird, am Wochenende dürfte die extreme Hitze dann vorbei sein.
