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Streit Vatikan - Anglikaner: Kurzes und bündiges Treffen

22.11.2009 | 18:13 | Von unserem Korrespondenten PAUL KREINER (Die Presse)

Papst Benedikt traf nach seinem Übertrittsangebot an die Anglikaner deren Oberhaupt, Bischof Williams. Vom spannungsreichsten Kirchengipfel seit Jahren drang wenig nach außen.

Rom. Das Kommuniqué ist dürr. Papst Benedikt XVI. und das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, hätten am Samstag „herzliche Gespräche“ über die aktuellen „Herausforderungen für alle christlichen Gemeinschaften“ geführt. Auch sei „geredet worden über die jüngsten Ereignisse in den Beziehungen zwischen katholischer und anglikanischer Kirche“.

So teilt es der Vatikan mit; Canterbury schweigt vollständig. Auf Umwegen ist zu hören, das tendenziell traurige Gespräch zwischen Papst und Erzbischof habe 20Minuten gedauert, sehr kurz also. Englische Journalisten leiten daraus ab, die zwei Gentlemen hätten „in der höflichstmöglichen Weise miteinander abgeschlossen“.

In Rom sagt man, Details würden bei derart privaten Audienzen niemals mitgeteilt. Und vielleicht hatten die beiden sich privat – auch wenn sie sich als Theologen bisher recht gut verstanden – diesmal wenig zu sagen. Denn das Bedeutsame, das Institutionelle, das hatte der Vatikan schon vorher erledigt – hinter dem Rücken und zur Bestürzung von Williams.

Es war der 20.Oktober, als der Vatikan mitteilte, die katholische Kirche öffne ihre Türen weit für jene (konservativen) Anglikaner, die mit dem Kurs ihrer Kirche nicht länger leben könnten. Bischöfe und Priester, die vom Erzbischof in Canterbury zum Papst in Rom übertreten, dürfen ihren Ritus behalten – und zumindest die Priester auch ihre Ehefrauen.

 

Anglikanische Spaltungen

Hintergrund sind die immer tieferen Spaltungen in der1534 gegründeten anglikanischen Kirche. Die Spannungen sind aufgekommen, seit westliche anglikanische Kirchen Frauen zu Priestern und – vor allem – zu Bischöfen weihen; der erste bekennende Homosexuelle in einem amerikanischen Bischofsamt stößt in Afrika und Asien auf erbitterten Widerstand; gleiches gilt für die kirchliche Segnung homosexueller Paare. Bereits 1992 haben sich Konservative im Protest gegen solch „teuflisches“ Treiben von der anglikanischen Kirche abgespalten. Andere suchten seit Jahren eine Annäherung an die katholische Kirche.

Der 59-jährige Erzbischof Rowan Williams, der kraft seines Amtes die Anglikaner zusammenhalten soll, aber keine Entscheidungsvollmacht besitzt, sieht sich seit Jahren zwischen den Flügeln. Nun musste er auch noch erfahren, dass es seit Jahren Geheimverhandlungen zwischen dem Vatikan und abwanderungswilligen Anglikanern gab. Von den Gesprächen, an denen dem Vernehmen nach auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn beteiligt war, wurde das Kirchenoberhaupt Williams praktisch erst bei vollzogener Einigung informiert.

 

Bischofskreuz für Williams

Der deutsche Kardinal Walter Kasper, quasi „Ökumeneminister“ des Vatikans, erzählt, Williams habe ihn „mitten in der Nacht angerufen“ und Aufklärung verlangt. Mittlerweile haben die „persönlichen Freunde“ Kasper und Williams eine Verständigung darüber erzielt, dass der Vatikan keine Anglikaner „abwerben“ oder seinen „Machtbereich durch Bekehrungen ausweiten“ wolle, sondern dass der Papst lediglich eine „fantasievolle seelsorgerliche Antwort auf die Bedürfnisse einzelner Gruppen“ gegeben habe.

Wie gelungen das Geschenk war, mit dem BenediktXVI. am Samstag seinen Gesprächspartner überraschte, ist fraglich: Williams erhielt ein Bischofskreuz. Eine Anerkennung seines Amtes? Oder eine persönliche Einladung? Bis jetzt gilt: Träte Williams selbst über, könnte er nicht als Bischof, sondern nur als normaler Priester weiterarbeiten. Er ist ja verheiratet.

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