Dublin/Vatikan Stadt (Reuters). Papst Benedikt XVI. hat mit seinem Hirtenbrief zu sexueller Gewalt in der irischen Kirche scharfe Kritik bei den Opfern ausgelöst. „Meine erste Reaktion war tiefe Enttäuschung“, sagte Maeve Lewis vom Bündnis One in Four am Wochenende. Papst Benedikt XVI. stelle sich nicht der Verantwortung des Vatikans und dem strukturellen Problem.
Benedikt entschuldigte sich bei den Opfern. Er fühle Scham und Reue, heißt es in seinem Schreiben. Vier Monate nach Vorlage eines irischen Regierungsberichts reagierte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche damit auf die Missbrauchsfälle in Dublin in den Jahren 1975 bis 2004. Ein Priester hat demnach zugegeben, sich an mehr als hundert Kindern vergangen zu haben. In dem Bericht wurde auch der Amtskirche vorgeworfen, bis in die 1990er-Jahre hinein Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder vertuscht zu haben.
Kein Bezug zu Österreich
Den Bischöfen im überwiegend katholischen Irland machte Benedikt schwere Vorwürfe. Sie hätten in ihrer Führungsaufgabe versagt sowie das Vertrauen unschuldiger junger Menschen und ihrer Familien verraten. „Ihr müsst Euch vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen Gerichten dafür verantworten“, schrieb er. An die Opfer gewandt, erklärte der Papst: „Ihr habt viel gelitten und ich bedauere das aufrecht.“ Er sei bereit, sich persönlich mit den Opfern zu treffen. Obwohl der Papst nicht direkt auf die zuletzt bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in Deutschland, Österreich und den Niederlanden eingeht, erklärt er am Anfang seines Briefes: „Es ist wahr, dass das Problem des Missbrauchs von Kindern weder ein rein irisches noch ein rein kirchliches ist.“ In Deutschland sind inzwischen mehr als 100 Fälle von Übergriffen auf Kinder bekannt geworden. Seite 13