Ein Seelsorger einer Freikirche hat in Windischgarsten in Oberösterreich die Messe in der katholischen Kirche zelebriert - unerlaubt und "mit List", wie der örtliche Pfarrer Gerhard Maria Wagner gegenüber ORF OÖ erklärt. Wagner ist bekannt, weil er 2009 beinahe zum Weihbischof der Diözese Linz geworden wäre, was durch heftige Proteste verhindert wurde.
Der Geistliche der Katholisch-Reformierten Kirche in Wien war auf Urlaub in seiner Heimatgemeinde Windischgarsten. Zu diesem Zeitpunkt war Wagner eigenen Angaben zufolge beim Weltjugendtag in Madrid und hat seine Pfarre einem polnischen Aushilfspriester anvertraut. "Mit List" habe sich der Freikirchler am 21. August den Zugang erschlichen, sagte Wagner zum ORF. Als der Seelsorger der Freikirche als Priester gekleidet gekommen sei, habe ihn die Vertretung aus Polen an den Altar gelassen. "Der polnische Priester kennt natürlich auch die Priester bei uns nicht, und so hat er ihn an den Altar gelassen." Der Freikirchler hat eine Messfeier gehalten und bei einer zweiten konzelebriert. Nach seiner Rückkehr habe Wagner mit Entsetzen feststellen müssen, was passiert sei. "Sie sehen, was es heutzutage alles gibt", teilte Pfarrer Wagner seiner Gemeinde auf der Homepage der Pfarre mit.
Gerhard Maria Wagner ist weit über die Grenzen Oberösterreichs bekannt geworden, als Papst Benedikt XVI. ihn Anfang 2009 zum Linzer Weihbischof ernannt hat. Weil er als erzkonservativ gilt, stieß diese Entscheidung jedoch auf breiten Widerstand. Er hatte umstrittene Theorien zur "Heilung" von Homosexuellen vertreten, die "Harry Potter"-Romane als "satanistisch" eingestuft und angesichts des Wirbelsturmdramas in New Orleans die Frage gestellt, ob Umweltkatastrophen nicht eine Folge der "geistigen Umweltverschmutzung" seien. Nach heftiger Kritik bat er den Papst um die Rücknahme der Ernennung, was der Papst akzeptierte. Später machte Wagner wieder auf sich aufmerksam, weil er einen Zusammenhang zwischen dem verheerenden Erdbeben in Haiti und dort angeblich gebräuchlichen religiösen Praktiken angedeutet und ein anderes Mal eine "stille Kirchenspaltung" diagnostizierte.