Bei einem Angriff auf einen Sikh-Tempel im nördlichen US-Staat Wisconsin sind am Sonntag mindestens sieben Menschen getötet und drei lebensgefährlich verletzt worden. Nach Angaben der Polizei befand sich unter den Toten auch der mutmaßliche Schütze, der von Sicherheitskräften erschossen wurde. Der Angriff ereignete sich in der Früh in der Stadt Oak Creek am Ufer des Michigansees.
Polizeichef Bradley Wentlandt sagte, es sei vermutlich einem einzelnen Polizisten zu verdanken, dass es nicht mehr Opfer gab. Er habe den Schützen konfrontiert und sei dabei durch mehrere Kugeln schwer verletzt worden. Es sei ihm aber gelungen, den Täter selbst "niederzustrecken". Das Motiv des Täters war zunächst unklar.
Nach Angaben von Wentlandt wurden vier Menschen im Inneren des Tempels getötet, drei weitere außerhalb des Gebäudes. Die Ermittler gingen nicht davon aus, dass sich noch ein weiterer Schütze im Tempel aufhalte, sagte Wentlandt. Dies hatten einige US-Medien zuvor berichtet. Die Situation sei aber sehr unübersichtlich.
Ein Angreifer und der besagte Polizist lieferten sich nach Angaben Wentlandts außerhalb des Tempels einen Schusswechsel. Der Angreifer sei außer Gefecht gesetzt worden, der Polizist sei mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Wendtlandt ging davon aus, dass der Beamte überleben werde.
Drei schwerst verletzte Menschen
Eine Sprecherin des Froedtert-Krankenhauses sagte, drei Erwachsene würden mit schwersten Verletzungen in der Klinik behandelt. Das Krankenhaus bereite sich auf weitere Opfer vor, sagte ein anderer Sprecher dem Sender CNN.
Mehrere Polizeieinheiten sowie Einheiten der Bundespolizei FBI waren am Tatort im Einsatz. Die Zeitung "Milwaukee Journal Sentinel" meldete, auch der Tempel-Vorsteher Satwant Kaleka sei bei dem Angriff verletzt worden und liege im Krankenhaus. Es gebe zwischen 20 und 30 Opfer. Womöglich hätten Angreifer Kinder als Geiseln genommen und sich im Tempel verschanzt; diese Information wurde von der Polizei nicht bestätigt. Eine Angehörige eines der Opfer, die Augenzeugin wurde, hatte erklärt, bis zu vier Bewaffnete seien in den Tempel eingedrungen und hätten das Feuer eröffnet. Der oberste Tempelpriester soll der Zeitung zufolge auf einer Toilette eingeschlossen sein und ein Handy dabei haben. In weiteren Berichten hieß es, die Schüsse seien während Vorbereitungen auf ein gemeinsames Mittagessen der Gläubigen gefallen.
Die örtliche Sikh-Gemeinde wurde 1999 gegründet. Die im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung, als Versuch den Hinduismus und den Islam zu verbinden, hat auch in den USA und in Großbritannien zahlreiche Anhänger. Lokalsendern zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Bluttat möglicherweise bis zu 100 Menschen in dem Tempel auf. Oak Creek habe eine blühende Sikh-Gemeinde mit etwa 400 Mitgliedern.
Die jetzige Schießerei passierte nur etwa zwei Wochen nach dem Massaker in einem Kino in Colorado. Dort erschoss ein Amokläufer bei einer "Batman"-Premiere zwölf Menschen und verletzte 58 weitere. Darauf entbrannte auch wieder eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA. Der Angeklagte James Holmes muss sich wegen Massenmordes vor Gericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.
US-Präsident Barack Obama bekundete "tiefe Trauer" und Anteilnahme. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung bot er zugleich Hilfe der Bundesbehörden bei der Aufklärung der Bluttat an und würdigte die Rolle der Sikhs im amerikanischen Leben. Sie seien eine Bereicherung für das Land und "ein Teil unserer erweiterten amerikanischen Familie", erklärte Obama.
