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Erdbeben in China: Tausende Tote und Verschüttete

13.05.2008 | 23:06 |  (DiePresse.com)

Behörden sprechen von 20.000 Toten, davon Tausende in der Stadt Mianyang. Hilfskräfte suchen unter den Trümmern nach Menschen. Das Beben erreichte eine Stärke von 7,9 auf der Richter-Skala.

Die Lage sei "schlimmer" als befürchtet, sagte Chinas Regierungschef Wen Jiabao bei einem Besuch im Unglücksgebiet. Einen Tag nach dem schweren Erdbeben in der Provinz Sichuan ist das gesamte Ausmaß der Katastrophe noch immer nicht ersichtlich. Die Zahl der Toten ist nach offiziellen Angaben auf fast 20.000 gestiegen. Allein in der Stadt Mianyang starben mehr als 18.600 Menschen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag. Zahlreiche weitere Opfer wurden verschüttet. Das Schicksal von rund 60.000 Menschen nahe des Epizentrums ist weiter ungeklärt. Nachbeben bis zur Stärke von 6,1 erschütterten die betroffenen Gebiete.

Der chinesische Staatschef Hu Jintao erklärte, die Hilfe für die Opfer habe jetzt "absolute Priorität" für die Regierung. Die Bergungsarbeiten wurden ein Rennen gegen die Zeit. "Jede Sekunde ist kostbar", mahnte Wen Jiabao.

Die chinesische Regierung entsandte 54.000 Soldaten in die Unglücksgebiete. Regierungschef Wen Jiabao sagte, die Arbeit könne nicht mehr allein von den Rettungskräften vor Ort bewältigt werden. Allerdings betonte das Ministerium für zivile Angelegenheiten, dass "wegen der unsicheren Bedingungen vor Ort" zumindest vorerst keine ausländischen Hilfsteams und Experten in das Unglücksgebiet dürften. Das Beben der Stärke 7,9 auf der Richter-Skala hatte die Region am Montagnachmittag um 14.30 Uhr (Ortszeit) erschüttert.

Wegen Erdrutschen waren viele Straßen unpassierbar, so dass die Rettungskräfte nur sehr mühsam in die Erdbebenregion gelangen konnten. Vor allem jedoch erschwerten starke Regenfälle die Berungssarbeiten. Ursprüngliche Pläne der Regierung, die Opfer aus der Luft mit Nahrung und Medizin zu versorgen, mussten wegen des schlechten Wetters zunächst aufgegeben werden. Chinesische Meteorologen sagten weitere starke Niederschläge für die kommenden Tage voraus.

Das Beben der Stärke 7,9 auf der Richter-Skala hatte die Provinz Sichuan und die Nachbarregionen am Montag erschüttert. Im Stadtgebiet von Dujiangyan, rund 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt, stürzte ein mehrstöckiges Schulgebäude ein. Schätzungsweise 1000 Kinder und Lehrer wurden verschüttet. Alleine in einer einzigen Stadt in der Provinz Sichuan sollen mindestens 12.000 Menschen verschüttet worden sein.

 

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In der Stadt Hanwang seien "mehrere tausend Menschen" getötet oder verschüttet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Die Opfer lägen unter Trümmern eingestürzter Gebäude. Die Rettungsdienste sind im Dauerdienst, Menschen versuchen mit Seilwinden oder ihren bloßen Händen, Mauerblöcke wegzuschieben. Die Naturkräfte waren so gewaltig, dass allein im Bezirk Beichuan vier Fünftel der Häuser einstürzten.

"Ich bin sehr besorgt", sagte der Vizegeneralsekretär der Regierung der Präfektur Aba in der Provinz Sichuan, He Biao. 30.000 Menschen hätten in Wenchuan die Nacht im Freien verbracht. "Wir brauchen dringend Zelte, Nahrung, Medizin und Satellitenkommunikation."

Touristen unter den Toten


Laut staatlichen Medienberichten kamen auch ausländische Touristen bei dem Erdbeben ums Leben. 37 Reisende seien getötet worden, als ihr Bus nach dem Beben unter Erdmassen begraben wurde, hieß es. In Wenchuan werden rund 15 Briten vermisst. Mehr als 2000 Touristen stecken vermutlich nach der Naturkatastrophe in der Präfektur Aba fest. Österreicher dürften nicht zu Schaden gekommen sein. "Wir haben keinerlei Hinweise darauf", sagte Außenamts-Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal.

Panik in Peking


Das Beben der Stärke 7,8 auf der Richter-Skala brachte in der 1500 Kilometer entfernten Hauptstadt Peking und in der Metropole Shanghai Bürogebäude zum Schwanken. Die Olympiastadt erlebte sieben Minuten nach dem Erdbeben in Sichuan ein Beben der Stärke 3,9. Tausende Menschen liefen in Panik auf die Straße. "Das ist das stärkste (Erdbeben), das ich je gespürt habe. Der Boden hat sich unter mir bewegt", sagte der Wirtschaftsberater James McGregor. Auch auf Taiwan und in der thailändischen Hauptstadt Bangkok war das Beben zu spüren.

Atomkraftwerke werden geprüft

Das Umweltministerium in Peking hat zur Verhinderung eines Atomunfalls die Entsendung von Experten in die betroffenen Gebiete im Südwesten des Landes angekündigt. Durch Kontrollen sollten mögliche Umweltkatastrophen, insbesondere durch Schäden in Kernkraftwerken, verhindert werden. Das teilte das Ministerium am Dienstag auf seiner Internetseite mit.

21 Experten sollen demnach die Sicherheit von Kernkraft-, Chemie- und Zementwerken sowie weiteren "empfindlichen" Anlagen sicherstellen. Die Umweltbehörden in mindestens einem Dutzend Provinzen im Westen, Norden und Zentrum des Landes hätten bereits Anweisung erhalten, entsprechende Kontrollen vorzunehmen.

Bush bekundet Beileid

US-Präsident George W. Bush hat sein Mitgefühl mit den Opfern und Hinterbliebenen der Erdbebenkatastrophe in China bekundet und Hilfe angeboten. "Die Gedanken und Gebete der amerikanischen Bevölkerung gelten dem chinesischen Volk, vor allem jenen, die besonders betroffen sind", betonte Bush in einer in Washington veröffentlichten Erklärung. Die USA stünden zur Hilfe "in jeder nur möglichen Weise" bereit. Auch die EU bot China Unterstützung an. Die Nachrichten aus Sichuan seien "beunruhigend", sagte Entwicklungskommissar Michel in Brüssel. "Wir sind bereit zu helfen."

(Ag./Red.)

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