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Zu wenig Grippe-Impfstoff in den USA:"Das Virus gewinnt"

26.10.2009 | 16:15 |  (DiePresse.com)

Nur gut ein Zehntel der geplanten Dosen sind derzeit in den USA verfügbar. Die Menschen überrennen die wenigen Praxen, die Impfungen gegen die Neue Grippe anbieten. Noch heuer könnten zwei von drei Bürgern infiziert sein.

Die neue Grippe greift um sich, nervöse Bürger wollen sich immunisieren lassen, aber es fehlt an Impfstoff: Die USA hinken bei der Produktion des Serums gegen die Schweinegrippe um Wochen hinterher. Zum jetzigen Zeitpunkt sollten nach ersten Ankündigen der Regierung eigentlich 120 Millionen verfügbar sein - tatsächlich sind es erst 13 Millionen.

Zwei Grippen gleichzeitig

Vertreter der Gesundheitsbehörden machen dafür zum einen die Doppelbelastung der Hersteller verantwortlich, die parallel auch noch die Vakzine gegen die übliche Grippe produzieren müssen, und zum anderen den langwierigen Herstellungsprozess mit Hilfe von Hühnereiern. Engpässe gibt es auch an anderen Stellen: Die Werke, die das Serum in Spritzen abfüllen, sind im Rückstand, und die Entwicklung der Tests für die Freigabe der Chargen dauerte ebenfalls länger.

Das Virus gewinnt den Wettlauf

Wie sich die Verzögerungen auf den Verlauf des Ausbruchs auswirken, ist ungewiss. Das liegt auch daran, dass die Wissenschaft nicht mit Gewissheit sagen kann, wie gefährlich genau der Erreger ist, wie leicht er sich verbreitet und ob er zu einer gefährlicheren Form mutieren wird. "Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen das Virus, und Mutter Natur allein weiß, wie viele Fälle in den nächsten sechs bis zehn Wochen auftreten werden", sagte der Impfexperte Michael Osterholm von der Universität von Minnesota.

Run auf die Impfungen

In viele US-Bundesstaaten mussten Massenimpfungen verschoben werden. Kliniken, die Impfstoff ergattern konnten, werden überrannt. Ärzte werden überschüttet mit Telefonanrufen besorgter und erzürnter Eltern. "Niemand hat sie", ärgerte sich AnnMarie O'Connor, die in Rockville in Maryland mit ihren beiden kleinen Kindern und tausend anderen Leuten nach der Impfung Schlange stand. "Die haben gesagt, die Injektionen sind Anfang Oktober da. Und wo sind sie?!"

Die Ämter raten zur Geduld und versichern, letztlich werde von beiden Grippeimpfungen genug für alle vorhanden sein, die sie haben wollten. "Wir wünschten, wir hätten bessere Möglichkeiten, Impfstoffe vollkommen berechenbar herzustellen", räumte Anne Schuchat vom Zentrum für Seuchenkontrolle und Vorbeugung ein. "Aber so geht es oft bei der Impfstoffproduktion."

Bisher 1000 Opfer

Bisher sind der Schweinegrippe in den USA nach Angaben der Gesundheitsbehörden mehr als 1.000 Menschen zum Opfer gefallen, darunter rund 100 Kinder. Vergangenen Mittwoch waren in 15 Bundesstaaten 198 Schulen mit mehr als 65.000 Schülern wegen der Krankheit geschlossen, mehr als doppelt so viele als nur einen Tag zuvor. "Im Moment steht der Impfstoff im Wettlauf mit dem Virus, und das Virus gewinnt", glaubt Osterholm.

Bis Jahresende zwei Drittel infiziert

Bis Mitte November sollen nun 50 Millionen Dosen ausgeliefert sein, im Dezember dann 150 Millionen. Nicole Lurie vom Gesundheitsministerium zeigte sich zuversichtlich, das man bis Ende November wieder einigermaßen im Plan sei. Einer Studie der Purdue Universität allerdings könnten die Impfungen zu spät kommen, um die Fallzahlen noch signifikant zu verringern. Die Forscher sagen voraus, dass die Infektionen Ende Oktober ihren Höhepunkt erreichen und dass sich bis Jahresende 63 Prozent der Bevölkerung angesteckt haben werden.

Angesichts der Verzögerungen wird wieder nach einer schnelleren und zuverlässigeren Methode der Impfstoffherstellung gerufen als dem Hühnerei-Verfahren, das bis zu sechs Monaten dauert. "Wir müssen für die Grippeimpfung eine Anstrengung unternehmen wie für die Mondlandung, wenn wir in Zukunft nicht wieder in eine solche Lage kommen wollen", glaubt Osterholm.

 


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