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Nachfrage nach Impfung eher gering

27.10.2009 | 18:49 | ANDREAS WETZ (Die Presse)

Nur geringe Teile des Gesundheitspersonals sieht Neue Grippe als Bedrohung. „Die Presse“ fragte, warum.

Wien. 280.000 Personen aus dem Gesundheitssystem können sich seit Dienstag gegen die Neue Grippe („Schweinegrippe“) impfen lassen. Doch das Interesse an der Immunisierung ist gering. Der Grund dafür, warum selbst Fachkräfte skeptisch sind, dürfte mit dem diffusen Bedrohungsszenario durch die Krankheit zusammenhängen. „Die Presse“ erläutert die Rahmenbedingungen.

1. Wie viele Ärzte und Pfleger lassen sich impfen?

In Wien, wo 80.000 Personen als Ärzte, Pfleger, Apotheker oder Gesundheitsbedienstete arbeiten, gibt es bisher 2500 Anmeldungen. Darin nicht enthalten sind Impfinteressenten des Krankenanstaltenverbundes (30.000 Mitarbeiter), die sich ohne Voranmeldung am Dienstort impfen lassen können. „Warteschlangen gab es dort aber keine“, hieß es dazu in der Generaldirektion. Beim KAV-Äquivalent in Salzburg, den Salzburger Landeskliniken, ließen sich 40 von 3700 Mitarbeitern gegen das H1/N1-Virus impfen. In Vorarlberg haben sich 700 von 14.000 (fünf Prozent) zur Immunisierung angemeldet. Zum Vergleich: Bei der „normalen“ Grippe werden Impfraten von zwölf Prozent erreicht.

2. Wann und wie kann man sich impfen lassen?

Ab 9.November steht der Impfstoff chronisch Kranken und Schwangeren zur Verfügung, danach auch der restlichen Bevölkerung. Die Immunisierung findet im Zuge von zwei Teilimpfungen statt, die im Abstand von zwei bis drei Wochen durchzuführen sind. Kosten pro Teilimpfung: 4,90 Euro. Den Rest zahlt die Krankenkasse.

3. Wie lauten die Argumente der Impfkritiker?

Bisher bekannte Fälle verliefen meistens mild. Der schwere Krankheitsverlauf eines Mädchens aus Südtirol, das derzeit in Innsbruck behandelt wird, läuft dem Argument allerdings zuwider.

Weiters wird moniert, dass die Neue Grippe weniger Todesopfer fordert als befürchtet. Demnach überlebt einer von 1000 „normalen“ Grippekranken die Krankheit nicht. Bei der Neuen Grippe sind es 1,4 Personen. Und: Auch die Ansteckungsrate ist mit fünf bis 15 Prozent deutlich geringer als prognostiziert (22 bis 33 Prozent).

4. Was sind die Argumente der Impfbefürworter?

Das Grüne Kreuz für Gesundheit glaubt, dass die Impfung gegen die Neue Grippe das Sterberisiko um 60Prozent senke. Der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze argumentiert, dass mit einer hohen Impfrate auch das Risiko einer Ansteckung für den Rest der Bevölkerung sinke und somit gesamtgesellschaftlich sinnvoll sei.

5. Kostet ein geimpfter Patient das „System“ weniger als ein kranker?

Das behaupten zumindest pharmazeutische Industrie und Impfbefürworter. Eine Studie der Medizinuni Graz kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach schlägt sich ein verhinderter Influenzafall mit Kosten von 404,94 Euro in den Bilanzen der Kassen nieder. Rein wirtschaftlich betrachtet ist es sinnvoll, Menschen zu impfen, die älter als 65 sind und aufgrund ihres Alters einen größeren Aufwand zur Überwindung der Krankheit brauchen. In dieser Bevölkerungsgruppe, in Österreich sind das 1,3 Mio. Menschen, erspart jeder Geimpfte dem System 58,64 Euro.

6. Was passiert mit nicht gebrauchtem Impfstoff?

Österreich hat sich bei Baxter für 100 Mio. Euro eine Option auf die Produktion von Impfstoff für die gesamte Bevölkerung gesichert. Die geringe Nachfrage beim Gesundheitspersonal lässt darauf schließen, dass selbst vom bisher gelieferten Impfstoff nicht alle Dosen benötigt werden. Sollte das der Fall sein, muss Baxter die überzähligen Dosen zurücknehmen.


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