WIEN (APA). Die Schweinegrippe hat den europäischen Profifußball erfasst. Vergangenen Sonntag musste das Schlagerspiel in der französischen Liga Olympique Marseille gegen Paris St. Germain wegen einiger Krankheitsfälle beim Hauptstadtklub abgesagt werden. Es kam deshalb zu Ausschreitungen. Beim englischen Premier-League-Klub Blackburn Rovers sind Spieler und Betreuer betroffen, beim spanischen Zweitligisten Betis Sevilla laborieren 13 Spieler an der Neuen Grippe. In Italien wird nun sogar eine prophylaktische Impfung sämtlicher Serie-A-Profis überlegt.
In Österreich scheuen die meisten Bundesligaklubs vor einer Impfung der Spieler zurück. Von verpflichtenden Impfungen sehen die Vereine vorerst ab. Zwar wäre bei mehreren Krankheitsfällen im Kader schlimmstenfalls der Spielbetrieb gefährdet, andererseits drohen bei der Impfung Nebenwirkungen wie Kopf-, Gelenk- oder Gliederschmerzen.
Einzig Mattersburg könnte vorpreschen. „Wenn der Impfstoff verträglich ist, werden alle Spieler geimpft, außer einer will das überhaupt nicht“, kündigt Klubarzt Richard Eggenhofer an. Er will allerdings die ersten Erfahrungen mit dem Impfstoff bezüglich einer möglichen Unverträglichkeit abwarten.
Zurzeit läuft in Österreich die Immunisierung des Gesundheitspersonals, ab 9. November ist der Impfstoff für alle – also auch für Fußballprofis – erhältlich. Risikogruppen wie chronisch Kranke oder Schwangere werden bevorzugt behandelt.
„Keine Zwangsbeglückung“
„Wenn wir den Impfstoff bekommen, werden wir ihn den Spielern sicher anbieten. Aber wir machen das so wie bei der Impfung gegen die normale Grippe auf freiwilliger Basis und werden die Spieler über die Sinnhaftigkeit aufklären. Zwangsbeglücken kann man niemanden“, erklärte Rapids Klubarzt Thomas Balzer. Sein Austria-Kollege Alexander Kmen stieß ins selbe Horn. Grundsätzlich stehe es jedem Spieler frei, sich impfen zu lassen. Zwingen könne man niemanden. „Bei Fußballspielern ist aufgrund der Tatsache, dass sie der geringstanfälligen Gruppe angehören, das Risiko einer Erkrankung gering. Die Gefahr einer Übertragung entsteht eher innerhalb der Familie als im Umgang mit Kollegen“, erklärte Kmen. „Wir sind mit unserer medizinischen Abteilung immer in Kontakt. Wir nehmen das auf jeden Fall ernst“, meinte Salzburgs Trainer Huub Stevens.
Die Bundesliga nahm in Sachen Schweinegrippe Kontakt mit dem Wiener Gesundheitsamt auf, das bei Ligaspielen keine Präventivmaßnahmen verlangte. Die Uefa wiederum informierte die heimischen Europa-League-Klubs, dass eine Verschiebung von internationalen Partien selbst bei der Erkrankung einiger Spieler nur in Ausnahmefällen möglich sei.