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Argentinien: Kehrt das Gespenst zurück?

02.11.2009 | 18:34 |  (Die Presse)

In Argentinien, wo die kalte Jahreszeit bereits vorbei ist, galt die H1N1-Welle für überwunden. Jetzt, im hiesigen Frühsommer, scheint es wieder loszugehen.

Buenos Aires (a.f.). Kehrt das Gespenst zurück? Vorige Woche starb eine 61-Jährige aus dem Norden von Buenos Aires an der Neuen Grippe – der erste Todesfall in Argentinien seit dem 12.September.

Zwei Wochen vor dem jüngsten Exitus hatte Gesundheitsminister Juan Manzur die Epidemie für beendet erklärt. Nun wird gemeldet, dass auch eine 18-Jährige auf der Intensivstation der modernsten Klinik im Umland der Hauptstadt um ihr Leben kämpft und dass in der Provinz Buenos Aires zehn neue Fälle bestätigt wurden.

Gleichwohl hat Argentinien, das wie Australien als H1N1-„Testfall“ für die Nordhalbkugel galt, das Schlimmste wohl überstanden: Mit den inzwischen sommerlichen Temperaturen (vorige Woche schwitzte Buenos Aires bei 35 Grad) gingen die Neuinfektionen stark zurück. Mehr Aktivitäten im Freien und besser belüftete Räume senken die Infektionsgefahr. Am 29.Oktober vermerkte das Gesundheitsministerium 593 bestätigte und 248 noch ungeklärte Sterbefälle. Grippetote gab es überall, wiewohl die Provinzen Buenos Aires und Santa Fé besonders betroffen waren; um die Großstädte Buenos Aires und Rosario herum sind auch die meisten Elendsviertel.

 

„Normale Grippe“ fiel nie auf

Für eine Einordnung dieser Zahlen hat Minister Manzur mehrfach betont, dass in den letzten Jahren je etwa 4000 Argentinier an normaler Grippe starben, ohne dass es Aufsehen erregt hätte. Offenbar haben die erhöhte Wachsamkeit nach dem Ausbruch der Neuen Grippe in Mexiko und die nach Anlaufschwierigkeiten gesetzten Maßnahmen wie die Schließung von Schulen und Theatern die Sterblichkeit massiv reduziert.

Wohl hätten weitere Todesfälle verhindert werden können, wäre nicht Ende Juni Parlamentswahl gewesen, am Gipfel der Epidemie. Die Regierung wollte aber vermeiden, das Votum verschieben zu müssen, und informierte zuvor nur widerwillig über die Seuche. Damit gingen Wochen verloren.

Vor allem zwei Statistiken fallen auf: In der Altersgruppe zwischen 20 und 40 starben mehr Frauen als Männer. Ein sehr großer Teil dieser Frauen war schwanger. Und die meisten Toten waren zwischen 50 und 60. Es stimmt also nicht, dass das Virus vor allem Junge tötet. Bemerkenswert auch, dass es bei über Fünfjährigen für 92,6Prozent aller Atemwegsinfektionen verantwortlich war. Das heißt, der neue Erreger hat alle anderen „überrollt“.


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