diepresse.com

Textversion
Home | Politik | Wirtschaft | Panorama | Kultur | Leben | Tech | Science | Sport | Bildung | Gesundheit | Rechtspanorama | Spectrum

Artikel drucken

Ukraine: „Epidemie gefährdet unsere Souveränität“

02.11.2009 | 18:34 | Von unserer Mitarbeiterin NINA JEGLINSKI (Die Presse)

Anzeichen einer Massenpanik machen sich breit. Präsident Juschtschenko bat um internationale Hilfe. In der Ex-Sowjetrepublik sind 200.000 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt und mehr als 60 daran gestorben.

KIEW. Die Ukraine am Rande der Massenpanik: Präsident Viktor Juschtschenko traf sich am Dienstag mit einer Delegation der Weltgesundheitsorganisation. Die Experten sind am frühen Nachmittag in die besonders stark von der Epidemie betroffene Westukraine gereist. „Wir brauchen weitere internationale Hilfe beim Kampf gegen die Krankheit. Die Epidemie gefährdet die staatliche Souveränität der Ukraine“, appellierte Juschtschenko an die Öffentlichkeit.

Es ist Wahlkampf, und da wollen sich alle Politiker als Kämpfer gegen das Virus profilieren. Am frühen Morgen war auf dem Kiewer Flughafen eine Privatmaschine aus der Schweiz mit 300.000 Packungen des Grippemedikaments Tamiflu an Bord gelandet. Vor der Kulisse der Flugzeugentladung verkündete Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, dass das Mittel nicht an Apotheken, sondern ausschließlich an Krankenhäuser abgegeben werde.

Damit will die Regierung weitere Preistreibereien verhindern. Am Wochenende hatten die privaten Apotheken die Preise für Grippemittel und Antibiotika teilweise um das Zehnfache erhöht.

 

Sturm auf Apotheken

Die Menschen hatten nach Ausbruch der Schweinegrippe in der Ukraine panikartig die Apotheken gestürmt, um sich mit Medikamenten aller Art einzudecken. Tamiflu war innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Eine Apotheke im Stadtzentrum Kiews verlangte Samstagnachmittag für eine 25er-Packung Tamiflu 500 Dollar. Dabei dient das Medikament nicht der Prophylaxe, sondern ist nur wirksam bei Patienten mit Grippesymptomen im Anfangsstadium.

 

InlineBild

 

In der Ukraine ist noch immer kein Impfstoff vorrätig. „Wir verhandeln gerade mit internationalen Produzenten“, sagte Petro Poroschenko, Außenminister der Ukraine. Das Land benötige mindestens 50 Millionen Dosen eines Impfstoffes gegen das H1N1-Virus. Der Erreger breitet sich vom Westen auf andere Landesteile aus. In Winniza, einer Stadt südlich von Kiew, gibt es offenbar wieder eine H1N1-Tote. Man habe die Proben in ein Labor in die Hauptstadt geschickt und warte nun auf das Ergebnis, meldet die Nachrichtenagentur „Unian“. Auch in der Ostukraine geht die Angst um.

Derweil schwinden die Hoffnungen, das Virus möge die Hauptstadt Kiew verschonen. „Ich rechne mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass wir innerhalb der nächsten Wochen erste Fälle von H1N1 haben“, so Oleg Nazar, Hauptimmunologe Kiews. Nach seinen Worten bräuchte es extreme Verkehrskontrollen aller Fahrzeuge und aller Reisenden, die nach Kiew kommen. „Jeder müsste untersucht und die Fahrzeuge außen und innen komplett desinfiziert werden“, sagte Nazar.

 

Öffis werden desinfiziert

Das Transportministerium hat Sonntag begonnen, Stationen und Verkehrsmittel regelmäßig zu desinfizieren. Demnach werden alle zwei Stunden alle Hallen von Bahnhöfen und Busbahnhöfen mit speziellen Reinigungsmitteln behandelt. Alle Bediensteten müssen Masken und Handschuhe tragen.


Home | Politik | Wirtschaft | Panorama | Kultur | Leben | Tech | Science | Sport | Bildung | Gesundheit | Rechtspanorama | Spectrum

© DiePresse.com