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Keine Grippe wie jede andere

03.11.2009 | 18:47 | TERESA SCHAUR-WÜNSCH (Die Presse)

Nach dem ersten Todesfall warnen Experten vor Panik. Sie sagen aber, dass die Schweinegrippe doch gefährlich werden könne, weil sie für Lungeninfektionen anfälliger mache.

WIEn. Mit dem Tod der elfjährigen Patientin im Innsbrucker Krankenhaus hat die Neue Grippe Österreich auch gefühlsmäßig erreicht. Auffällig: Bei allen drei Patienten, die bisher intensivmedizinisch behandelt werden mussten – neben der Elfjährigen auch ein 41-jähriger Deutscher und eine Schwangere in Wien – traten zudem Lungenentzündungen auf.

Was die Frage aufwirft: Ausnahmen, wie es sie bei jeder Grippe gibt? Oder ist die Neue Grippe (auch: Schweinegrippe) doch neu – und anders? Generell können bei Influenza in Ausnahmefällen sogenannte Ko-Infektionen für einen schweren Verlauf sorgen. „Das Influenzavirus schädigt die Schleimhäute der Atemwege“, sagt Günter Weiss, Infektiologe an der Universitätsklinik für Innere Medizin an der Med-Uni Innsbruck, der auch die verstorbene Elfjährige betreut hat – zu der er sich aber nicht äußern will.

Durch den verringerten Schutz könnten Bakterien, die sich ohnehin im Nasen-, Mund- und Rachenraum befinden, leichter eindringen, so Weiss – und zu einer bakteriellen Lungenentzündung führen, die meist schwerer verläuft als eine normale Lungenentzündung.

Genau in diesem Punkt unterscheidet sich die Neue Grippe allerdings von ihren saisonalen Verwandten. „Eines der Gene des H1N1-Virus stimuliert besonders bakterielle Infektionen, vor allem Pneumokokken-Infektionen“, erklärt Egon Marth, Vorstand des Hygiene-Instituts der Medizinischen Universität Graz. Gerade Jugendliche seien häufig Träger von Pneumokokken. „Wovor wir uns fürchten, ist, dass durch eine Mutation genau dieser Anteil stärker wird. Dann haben wir die Katastrophe beisammen.“

Derzeit sei das freilich nicht der Fall. Auch sei die aktuelle Infektionsphase „sehr mäßig“, selbst wenn sowohl Marth als auch Weiss mit einer kommenden zweiten Welle rechnen. „Zurzeit“, so Marth, „sterben im Verhältnis weniger Menschen an der Neuen Grippe als an der saisonalen, obwohl die Neue Grippe viermal so ansteckend ist.“

Gleichzeitig, so Franz Xaver Heinz, Vorstand des klinischen Instituts für Virologie an der Med-Uni Wien, beobachte man aber auch, dass die Neue Grippe relativ häufig direkt zu Lungenversagen führe. „Das ist nicht unerwartet, aber außergewöhnlich.“ Tierversuche an Frettchen hätten gezeigt, dass die Neue Grippe im Gegensatz zur saisonalen eher die tiefen Atemwege befällt. Auch habe sich gezeigt, dass Patienten mit Neuer Grippe öfter intensivmedizinisch behandelt werden müssen.

 

„Gefahr nicht überbewerten“

„In Australien waren die Intensivstationen 15-mal höher belastet als während einer saisonalen Grippewelle“, sagt Heinz. 90Prozent der Erkrankungen seien dort auf die Neue Grippe entfallen. Dennoch dürfe man „die Gefahr auch nicht überbewerten“.

Genau davor warnt Sozialmedizinerin Claudia Wild, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Medizinfolgenabschätzung. Für sie ist die Neue Grippe im Grunde doch nichts anderes als eine neue Grippevariante, das zeige das Verhältnis der weltweiten Todesfälle zur Gesamtzahl der Erkrankungen. Während etwa Hygieniker Egon Marth zu beiden Grippeimpfungen rät, bleibt sie kritisch: Impfungen seien riesige Absatzmärkte – und sowohl in der WHO als auch in heimischen Expertengremien säßen Ärzte, die an der Entwicklung von Impfstoffen beteiligt sind.


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