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Liebeskummer: Deutscher campierte zwei Wochen auf Flughafen

04.11.2009 | 18:20 | Von unserem Korrespondenten CARL D. GOERDELER (Die Presse)

Seine brasilianische Liebe hatte ihn versetzt. Vor Tagen wurde der unsterblich verliebte Deutsche nun in die psychiatrische Klinik der lokalen Universität Unicamp eingeliefert.

CAMPINAS/RIO. Die Geschichte erinnert an Steven Spielbergs Film „Terminal“, in dem Tom Hanks einen auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy gestrandeten Flüchtling aus Osteuropa spielt: Zwei Wochen lang lebte Heinz Müller, ein Deutscher, auf dem Flughafen der brasilianischen Stadt Campinas, schlief auf Stühlen und wusch sich in den Waschräumen.

Nach eigenen Angaben wurde der Mann, der an der Parkinsonkrankheit leiden soll, von einer Brasilianerin namens Josiane Alves versetzt, die er im Internet kennengelernt haben will. Vor Tagen wurde der unsterblich verliebte Deutsche in die psychiatrische Klinik der lokalen Universität Unicamp eingeliefert – nachdem er sich angeblich gegenüber Airportpassagieren aggressiv verhalten hatte.

 

Internetliebe ist verheiratet

Bis dahin galt der 46-jährige Müller als friedlicher, aber offenbar rettungslos romantischer Germane, der es abgelehnt hatte, in ein Hotel oder Obdachlosenheim zu gehen. Müller war am 2.Oktober in Rio de Janeiro angekommen und dann weiter nach Campinas, einer rund 100 Kilometer nördlich von São Paolo gelegenen Großstadt, gereist – in die Nähe seiner „digitalen“ Liebe. Diese Ferngeliebte tauchte aber offenbar nicht auf – vermutlich auch deshalb, weil sie längst verheiratet ist, wie das brasilianischen Fernsehen berichtet.

Gleichwohl: Müller wollte von seiner unsterblichen Liebe nicht lassen und nach Deutschland zurückkehren. Der Mann, der angab, er sei ehemaliger Pilot und dessen Pass in München ausgestellt wurde, hatte sich also auf dem Flughafen Viracopos eingerichtet. Passanten steckten ihm schon einmal etwas zu essen zu.

 

Man nannte ihn „Tom Heinz“

Er mache keine Probleme, berichteten übereinstimmend Flughafenangestellte und Passagiere. Er hatte auch bereits den Spitznamen „Tom Heinz“ bekommen.

Theoretisch kann Müller mit dem Touristenvisum bis zu drei Monate lang in Brasilien bleiben. Er dürfte aber nun wegen gesundheitlicher Probleme in die Heimat abgeschoben werden. Die deutsche Botschaft in Brasilia schweigt dazu allerdings.

Hoffnungslos verliebte Deutsche sind an der Copacabana indes nicht selten anzutreffen: Deutsche Freier gelten als superromantisch, zugleich aber knausrig. Aus dieser Mischung entsteht eine Menge Schwierigkeiten mit vielen Schönen der Nacht, die es weniger auf das Herz als auf die Brieftasche abgesehen haben.


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