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USA: Amoklauf eines Militärpsychiaters - 13 Tote

06.11.2009 | 18:12 | Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Der Anschlag eines Armeearztes auf seine Kameraden in der größten US-Kaserne hat das Land in Schock versetzt. Der Anschlag wirft ein Licht auf den traumatischen Stress, dem die Soldaten in zwei Kriegen ausgesetzt sind.

Washington. Fort Hood im Herzen von Texas sollte einer der sichersten Orte der Welt sein – so sicher, dass die Soldaten üblicherweise hier nicht einmal Waffen tragen. Am Donnerstag richtete ein Amokläufer in der größten US-Kaserne – von der Dimension einer Kleinstadt – jedoch ein Blutbad an, das die Nation und ihren Präsidenten erschaudern ließ. Der Anschlag forderte mindestens 13 Todesopfer und 30 Verletzte – von den psychischen Nachwirkungen der rund 70.000 Menschen auf der Basis ganz zu schweigen. Und dass Nidal Malik Hasan, ein auf traumatische Störungen spezialisierter Militärpsychiater, mit zwei Pistolen auf seine Kameraden feuerte, war umso verstörender. Der Täter überlebte schwer verwundet.

„Es ist schon schwierig genug, wenn wir diese tapferen Amerikaner in Kämpfen in Übersee verlieren. Aber es ist entsetzlich, dass sie auf einem Militärstützpunkt auf amerikanischem Boden unter Beschuss kommen“, brachte Barack Obama das Paradoxon der Tat auf einen Punkt. „In Übersee bist du darauf vorbereitet. Aber hier kannst du dich nicht einmal selbst verteidigen“, sagte ein Soldat. Dabei hätte alles noch viel schlimmer kommen können, weil in einem Nebengebäude gerade eine Zeremonie im Gang gewesen sei.

Anfangs dachte Pastor Greg Schannep an eine Militärübung, als er die ersten Salven hörte. Doch bald ertönten die Sirenen, die Kaserne wurde stundenlang von der Außenwelt abgesperrt.

Spekulationen schossen um sich, ob es sich um einen Terrorakt handeln könnte. Doch Nidal Malik Hasan, Sohn palästinensischer Immigranten und gläubiger Moslem, dürfte ein Einzeltäter sein. Als Arzt am Walter-Reed-Militärspital in Washington von den Schilderungen seiner Patienten mit dem Horror des Kriegs vertraut, könnte den 39-jährigen Einzelgänger ein bevorstehender Einsatz im Irak zur Verzweiflungstat getrieben haben. Vergeblich hatte er darauf gehofft, dass Obama die Truppen aus dem Irak ganz abziehen würde.

Nach Angaben von Verwandten hatte sich Hasan bereits vor Jahren darum bemüht, aus der Armee auszuscheiden. Er fühlte sich als Moslem schikaniert und gemobbt, seine Leistungen ließen zu wünschen übrig. Vor einem halben Jahr ist er durch einen Blog auffällig geworden, in dem er Selbstmordattentate als heroisch pries.

Der Anschlag wirft ein Licht auf den traumatischen Stress, dem die Soldaten in zwei Kriegen ausgesetzt sind. In Fort Hood begingen heuer zehn Militärs Selbstmord.

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