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Wie 100 Tonnen TNT: Freispruch nach Chemie-Explosion

20.11.2009 | 11:44 |  (DiePresse.com)

Acht Jahre nach der Explosion in einer französischen Düngemittel-Firma mit 31 Toten sprach ein Gericht den Werksleiter und die Firma frei. Das Unglück war die schwerste Industrie-Katastrophe in Frankreich.

Acht Jahre nach der schwersten Industriekatastrophe Frankreichs ist das Mammutverfahren gegen eine Düngemittelfabrik und eine Tochterfirma des Erdölkonzerns Total mit Freisprüchen zu Ende gegangen. Das Gericht in der südfranzösischen Stadt Toulouse sprach den früheren Werksleiter und die Firma Grande Paroisse im Zweifel frei. Die Staatsanwaltschaft kündigte am Freitag an, gegen das Urteil zu berufen. Bei der Explosion in der Düngemittelfabrik im September 2001 waren 31 Menschen ums Leben gekommen und tausende weitere verletzt worden. Angehörige reagierten entsetzt auf das Urteil.

Der Freispruch erging nach dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten", die Richter stellten aber "organisatorische Fehler" in der Düngemittelfabrik fest, die der Total-Tochter gehörte. Dem ehemaligen Leiter der Fabrik AZote Fertilisant (AZF), Serge Biechlin, und Grande Paroisse waren fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Sachbeschädigung sowie Verstöße gegen das Arbeitsrecht vorgeworfen worden. Opferverbände kritisierten das Urteil und warfen Total vor, bei hausinternen Ermittlungen am Tag nach der Katastrophe seien wichtige Beweisstücke verschwunden. Mit 1800 Nebenklägern war es der größte Strafprozess der französischen Geschichte.

Explosion mit Kraft von 100 Tonnen TNT

Am 21. September 2001 waren in der Fabrik am Stadtrand von Toulouse 300 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, die eine Sprengkraft von 100 Tonnen TNT hatten. Die Explosion riss einen zehn Meter tiefen Krater mit einem Durchmesser von fünfzig Metern in den Boden. 30.000 Häuser und Wohnungen im Umkreis von mehreren Kilometern wurden beschädigt.

Weil die Explosion sich nur zehn Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA ereignete, war zunächst ein Attentat befürchtet worden. Dies schlossen Gutachter aber aus. Ihnen zufolge ist die wahrscheinlichste Ursache, dass ein Arbeiter irrtümlich eine Chlorsubstanz in der Nähe des Ammoniumnitrats gelagert hatte. Dies habe zu einer hochexplosiven Mischung geführt.


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