Die Hinweise, dass der Wiener Wirtschaftsanwalt Opfer einer Entführung wurde, verdichten sich. Nach einem Bericht der "Salzburger Nachrichten" fand die Polizei im Wagen des 48-Jährigen "Spuren, die auf einen Kampf hindeuteten – darunter auch jede Menge Blutspuren." Es sei jedoch nicht soviel Blut gewesen, um von einem Tötungsdelikt im Auto auszugehen, bestätigte Polizeisprecher Roman Hahslinger den Bericht. Eine Waffe sei in dem Mercedes 300 GD nicht entdeckt worden.
Außerdem filmte eine Überwachungskamera die Abfahrt Rebassos am Freitag gegen 14.45 Uhr aus der Tiefgarage in der Nähe seiner Kanzlei. Darauf sei laut "Salzburger Nachrichten" zu sehen, wie der Anwalt zu seinem Wagen ging: "Bei der Ausfahrtskontrolle soll jedoch jemand anderer am Lenkrad des Mercedes gesessen sein", hieß es in dem Bericht weiter.
Die Identität des Mannes sei nun Gegenstand von Ermittlungen. Ein Kampf zwischen Entführer und Opfer oder eine Bedrohung durch eine Waffe sind auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Die Polizei wollte die Entführung in der Tiefgarage nicht bestätigen, im Lauf des Tages soll es eine weitere Pressemitteilung geben.
Handy konnte nicht geortet werden
Der Anwalt verschwand am Freitag auf dem Weg zu einem Termin im südlichen Niederösterreich. Da der Advokat dort nie ankam, versuchte gegen 15.30 Uhr eine Kanzleimitarbeiterin den 48-Jährigen zu erreichen, doch ohne Erfolg. Am nächsten Tag, am Samstag, erstattete die Familie Vermisstenanzeige, seit dem wird nach dem 48-Jährigen gesucht. Das Handy von Rebasso dürfte zum Zeitpunkt seiner Entführung abgedreht worden sein, man habe es nicht mehr orten können, sagte Hahslinger. Die Entführer haben sich bisher nicht mit Geldforderungen an die Familie gewandt.
Für die Polizei besteht der dringende Verdacht, dass der Vermisste einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen und entführt worden sein könnte. Rebasso wurde bekannt, nachdem er Mitte der 1990er Jahre das Ehepaar Erika und Helmut Pilhar vertreten hatte, die eine medizinische Behandlung ihrer Tochter Olivia ablehnten.
Drohungen gegen Anwaltskanzlei
Laut Polizei hatte er mehrere russische Klienten. Vor einigen Jahren wurde der Name des Anwaltes in einem Fall von Anlegebetrug in Russland verwickelt. Dabei wurden 25 bis 30 Privatanleger um je 50.000 bis 60.000 Euro geprellt. Rebasso ging damals zur Polizei und gab an, dass in der Betrugscausa sein Name missbräuchlich verwendet worden war und er selbst nicht beteiligt war. Dennoch langten vonseiten der Betrogenen schriftliche Drohungen in der Anwaltskanzlei Rebassos ein.
Dieser Umstand und die Tatsache, dass zu Rebassos Klientel eine Vielzahl von russischen Staatsbürgern gehört, geht die Polizei von einem Zusammenhang aus. Die Drohschreiben sowie Rebassos Klienten werden nun durchleuchtet. Die Wiener Polizei arbeitet mit dem Bundeskriminalamt und der russischen Polizei zusammen.