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Zusperren billiger: Stadthallenbad für immer geschlossen?

06.09.2012 | 17:33 | von Eva Winroither (Die Presse)

Das Haus wurde vor Baubeginn zu wenig geprüft. Gutachten kommen im Herbst. Derzeit seien "unglaublich viele Sachverständige am Werk". So soll etwa abgeklärt werden, ob sich auch Wasser hinter der Fassade befindet.

Wien. Viele haben das Stadthallenbad wohl schon längst abgeschrieben, nun gibt es neue Hinweise, dass das Bad tatsächlich geschlossen bleiben könnte. So soll es ein Gutachten einer Wirtschaftsprüferkanzlei geben, demnach es billiger sei, das Bad nicht wieder aufzusperren, erklärt VP-Gemeinderätin Isabella Leeb.

Demnach wird in dem Gutachten davon ausgegangen, dass die Stahlbetonhülle der immerhin fast 40 Jahre alten Becken zu rosten begonnen hat. So sehr, dass die Becken nicht mehr dicht gemacht werden können. „Das Problem ist, dass vorher nicht überprüft, sondern drauflosgebaut wurde“, sagt Leeb, die selbst Baumeisterin ist.

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Seitens der Stadthalle wird das Vorhandensein dieses Gutachtens scharf dementiert. Das sei totaler Unsinn, meint man in der Stadthalle. Doch auch sieben Monaten nach dem plötzlichen Baustopp ist die Wiedereröffnung des Bades noch in weiter Ferne. Schon im März hieß es, die eilig einberufenen gerichtlichen Sachverständigen hätten ihre Arbeit aufgenommen. Sie überprüfen mittlerweile – nachdem im Mai auch noch Fliesen von den Wänden gefallen sind – drei Bereiche: Statik, Fliesen sowie Becken und Bäderhygiene.

Nach erneuter Anfrage der „Presse“ zeichnet sich nun ein anderes Bild. Die Sachverständigen sind effektiv erst seit Sommer am Arbeiten, heißt es aus der Presseabteilung der Stadthalle. Das Ergebnis der gerichtlichen Beweissicherung wird nun doch erst „im Herbst“ erwartet. Und der dauert bekanntlich bis 21. Dezember.

Den Grund dafür will Horst Jäger, Mitglied der örtlichen Bauaufsicht im Stadthallenbad und damit vermutlich bald Gegner der Stadthalle vor Gericht, kennen. „Derzeit sind im Stadthallenbad unglaublich viele Sachverständige am Werk“, sagt er. Allein drei Zivilingenieure würden die Stadthalle beraten. „Die schlagen Untersuchungen vor, die wir teilweise selbst schon machen wollten. Damals stießen wir noch auf taube Ohren.“

Vorwürfe gegen die Stadt

So soll etwa abgeklärt werden, ob sich auch Wasser hinter der Fassade befindet. Denn bis heute, sagt Jäger, sei nicht sicher, ob das Wasser, das in der Stadthalle gefunden wurde, tatsächlich aus den Becken ausgetreten ist oder ob es sich um Kondenswasser oder Regenwasser handelt, das in die alte Halle eingetreten ist. Und eben auch grundsätzlichen Sachverhalten, wie der Frage, ob die Hängebecken nach 40 Jahren Betrieb überhaupt noch halten, wird nachgegangen. „Man hat das Gefühl, dass das Bad seine 40-jährige Bestandsgeschichte aufarbeitet.“

Und: „Die gerichtliche Beweissicherung wird dazu verwendet, das Schlamassel mit dem Baustopp zu rechtfertigen“, sagt er. So ergebe eine Untersuchung die andere.

Finanziell gesehen ist die gerichtliche Beweissicherung jedenfalls kostspielig. Rund zehn Sachverständige sollen derzeit für die Stadthalle arbeiten. „Zwei sind mit ihren Analysen schon fertig, fünf sind vor Ort, einer steht in den Startlöchern und drei beraten die Stadthalle“, sagt Jäger. Für einen gerichtlich beauftragten Sachverständigen muss bei Gericht 10.000 Euro Vorschuss hinterlegt werden.

Den Baustopp kann Jäger – naturgemäß – nicht verstehen. „Das war eine völlig überzogene Reaktion. Es hat vielleicht ein paar Mängel gegeben. Aber die Firmen waren bereit, die Fehler zu beheben.“
Denn dass die Stadt, wie vielfach behauptet, nichts von den Problemen gewusst haben will, dementiert er. „Physisch war ein Vertreter der Stadthalle bei jeder Besprechung dabei“, sagt er. Als „begleitende Kontrolle“ sei auch ein Vertreter der MA 51 (Sportamt) fast immer anwesend gewesen.

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