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Saudischer Innenminister beleidigt Schiiten-Kleriker

31.07.2012 | 17:21 |  (Die Presse)

Der saudiarabische Prinz Ahmed bin Abdulaziz bezeichnete den inhaftierten schiitischen Scheich Nimr al-Nimr als psychisch labil und minderbemittelt. Das könnte Spannungen zwischen den Religionsgruppen verschärfen.

Riad/Wien/Sig/Ag. Scheich Nimr al-Nimr ist eine Symbolfigur: Im Juli hatte die Verhaftung des einflussreichen schiitischen Klerikers heftige Proteste der Minderheit ausgelöst. Berichten zufolge starben bei Auseinandersetzungen mit der Polizei drei Demonstranten. Die jüngsten Aussagen des saudiarabischen Innenministers, Prinz Ahmed bin Abdulaziz, könnten den Konflikt nun weiter anheizen: Nimr sei „ein Mann von fragwürdiger Gelehrsamkeit“, seine psychische Verfassung sei „bedenklich“, sein Verstand „mangelhaft“.

Nimrs Inhaftierung war eine Schießerei zwischen seinen Gefolgsleuten und der Polizei vorausgegangen, bei dem ihm ins Bein geschossen wurde. Namr, der sich nach wie vor in Haft befindet, ist laut seiner Familie in den Hungerstreik getreten. Schiitische Aktivisten rufen Menschenrechtsorganisationen dazu auf, die Umstände seiner Haft zu untersuchen.

Laut offiziellen Angaben sind zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung Saudiarabiens Schiiten, in der ölreichen Ostprovinz des Landes dürften es aber bis zu 50 Prozent sein. Dort hat Nimr auch die meisten Anhänger. Seit langem schon wehren sich saudiarabische Schiiten gegen die Diskriminierung durch das mehrheitlich sunnitisch-wahabitische Königreich. Für die Wahhabiten sind die Schiiten Abtrünnige, sie dürfen weder Moscheen bauen noch schiitische Feste öffentlich feiern. Schiiten werden am Arbeitsmarkt benachteiligt und daran gehindert, wichtige politische Positionen einzunehmen – auch das wird von offiziellen Stellen negiert. Saudiarabien wirft dem (mehrheitlich schiitischen) Iran vor, die Unruhen unter den Schiiten absichtlich zu säen, um das Land zu destabilisieren.

Besonders nach der Niederschlagung des schiitischen Aufstandes gegen die sunnitische Regierung in Bahrain 2011 hat sich die Situation verschärft. Saudiarabien entsandte damals Polizisten und Soldaten, um das benachbarte Regime zu unterstützen.

Freude über Tod des Prinzen

Nun untergräbt Prinz Ahmed die Autorität einer geistlichen Figur, die besonders unter den jungen Schiiten großes Ansehen genießt.

Aber auch Nimr weiß die Machthaber zu provozieren. So freute er sich offen über den Tod des Kronprinzen und Innenministers Naif ibn Abd al-Aziz im Juni – und bat Allah, auch den Rest der königlichen Familie zu töten.


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