Im Süden des Jemen sind am Samstagabend mindestens 45 Menschen bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Dutzende seien bei dem Attentat in der Stadt Jaar verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Sanaa am Sonntag mit. Der Anschlag galt offenbar einem hochrangigen Mitglied der Volkskomitees, die gegen die mit al-Qaida verbündete Gruppe Ansar al-Sharia kämpfen. Abdul Latif al-Sayed sei bei dem Angriff verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden. Zwei seiner Brüder seien getötet worden, hieß es.
Der Attentäter habe sich bei der Beerdigung eines Verwandten eines Kommandanten der Volkskomitees in die Luft gesprengt, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP. Der Gouverneur der Provinz Abyan, Jamal al-Aqel, sprach von einem "feigen, kriminellen, terroristischen Angriff". Die Volkskomitees sind eine Miliz, die die regulären Streitkräfte im Kampf gegen das al-Qaida-Netzwerk unterstützen.
Rache der al-Quaida?
Ein Einwohner der Stadt sagte, al-Qaida habe sich an den Volkskomitees für ihre Unterstützung bei der Rückeroberung der Stadt rächen wollen. Die Armee hatte Mitte Juni gemeldet, Jaar und Sinjibar wieder unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Der al-Qaida-Ableger "Partisanen der Scharia" hatte vergangenes Jahr die Schwächung der Regierung durch die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh genutzt, um ihre Macht im Süden und Osten auszubauen.
Ein örtlicher Vertreter von Jaar machte die nationalen Behörden teilweise für die Gewalt im Süden verantwortlich und warf ihnen vor, sie täten zu wenig, um die Region zu schützen. "Jaar und andere Städte in Abyan haben überhaupt keine Polizeipräsenz", sagte Nasser Abdallah Mansari. Er rechne daher mit weiteren "spektakulären Angriffen" des Netzwerks.
Im Osten des Jemen wurden unterdessen fünf mutmaßliche al-Qaida-Kämpfer beim Beschuss ihres Fahrzeugs durch eine Drohne getötet. Die Drohne habe in der Nähe des Dorfs Al-Kotn in der Region Hadramaut zwei Raketen auf den Geländewagen gefeuert, sagte ein Behördenvertreter AFP. Der Angriffsort wurde umgehend von den Sicherheitskräften abgeriegelt. Die USA verfügen als einzige Militärmacht der Region über Drohnen dieser Art. Die unbemannten Flugzeuge fliegen im Osten und Süden des Jemen immer wieder Angriffe auf mutmaßliche Terroristen.