Riyad Hijab ist nicht mehr syrischer Premierminister. Er ist zur Opposition übergelaufen, wie sein Sprecher mitteilte. Hijab setzte sich am Sonntag nach Jordanien ab, will aber nach Doha in Katar weiterreisen.
Hijabs Sprecher verlas am Montag ein Statement des nunmehrigen Ex-Premiers: "Ich erkläre heute meine Desertion von diesem terroristischen Regime, das für zahlreiche Morde verantwortlich ist, und erkläre, dass ich mich der Revolution für Freiheit und Würde angeschlossen habe. Ich erkläre, dass ich ab heute ein Soldat dieser seligen Revolution bin." Das syrische Staatsfernsehen hatte zuvor vermeldet, Hijab sei entlassen worden. Als Übergangspremier wurde demnach Omar Ghalawanji ernannt, der zuvor als Hijabs Stellvertreter fungiert hatte.
Nach Angaben des oppositionellen Syrischen Nationalrates (SNC) sollen mit Hijab zwei weitere syrische Minister und drei Offiziere nach Jordanien geflohen sein.
Tote bei Geiselnahme
Am Montag sollen unterdessen drei von Rebellen verschleppten Iraner durch den Beschuss der Armee getötet worden sein, sagte ein Sprecher am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aufständischen drohten, die übrigen der am Samstag gefangen genommen knapp 50 Geiseln binnen einer Stunde umzubringen, sollten die Regierungstruppen das Feuer nicht einstellen.
Bei den Geiseln handelt es sich nach iranischen Angaben um Pilger. Die Aufständischen verdächtigen dagegen die Regierung in Teheran, Kämpfer eingeschleust zu haben, um Präsident Bashar al-Assad an der Macht zu halten.
Bombenanschlag auf staatliches Fernsehen
Auf ein Gebäude des staatlichen Fernsehens und Rundfunks wurde am Montag nach offiziellen Angaben ein Bombenanschlag verübt. Wie der syrische Informationsminister Omran al-Zohbi erklärte, explodierte die Bombe im dritten Stock des Gebäudes. Das Programm sei dadurch nicht unterbrochen worden, es habe einige Leichtverletzte, jedoch keine Toten gegeben. "Alles funktioniert und wird weiterhin funktionieren, wir haben zahlreiche Studios und technisches Equipment", so al-Zohbi.
Die Hauptstadt Damaskus ist inzwischen wieder weitgehend unter Kontrolle des Militärs. In tagelangen heftigen Kämpfen eroberten die Truppen von Syriens Machthaber Bashar al-Assad das Stadtviertel Al-Tadamun und damit die letzte Rebellenhochburg in der Hauptstadt zurück. Nach Angaben eines lokalen Aktivisten sollen die Sicherheitskräfte bei Hausdurchsuchungen mehrere Menschen an Ort und Stelle erschossen haben. Von unabhängiger Seite lassen sich diese Informationen nicht überprüfen.
Als nächstes will Assad nun offenbar die Wirtschaftsmetropole Aleppo von den Aufständischen völlig zurückerobern. Die syrischen Regierungstruppen sollen nach Angaben der BBC einen größeren Angriff vorbereiten. Rund 20.000 Soldaten sowie Panzer und andere Militärfahrzeuge seien zusammengezogen worden. "Die Truppen sind bereit für den entscheidenden Angriff, warten aber auf die Befehle", hieß es aus der Armee.
Verhandlungen "ohne Blut an den Händen"
Ein hochrangiger Vertreter der syrischen Opposition erklärte sich indes prinzipiell zu Gesprächen mit Regierungsvertretern bereit, er nannte aber klare Bedingungen. So dürften seine Verhandlungspartner "kein Blut an den Händen" haben, sagte der Vorsitzende des Syrischen Nationalrats (SNC), Abdelbasset Sida, der saudi-arabischen Zeitung "A-Sharq al-Awsat". Voraussetzung für Gespräche wäre außerdem ein Rücktritt von Assad und seiner Getreuen.
Das Rote Kreuz appellierte an Regierung und Rebellen, Zivilisten von Gewalt zu verschonen. Als eines der ersten europäischen Länder erwägt die Schweiz die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen. Man prüfe Möglichkeiten zur Hilfe für eine begrenzte Zahl von Syrern, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Migration in Bern.