In den USA hat der Wahlkampf zwischen Präsident Barack Obama und seinem designierten Herausforderer Mitt Romney mit heftigen Attacken beider Lager dramatisch an Schärfe gewonnen. Nach Äußerungen von Obamas Stellvertreter Joe Biden, wonach Romney die US-Bevölkerung "an Ketten" legen wolle, warf dieser dem Präsidenten eine "Hasskampagne" vor. Obamas Lager reagierte am Dienstag mit der Bemerkung, Romney wirke "verstört".
Auf einer Wahlkampfveranstaltung im US-Staat Virginia sagte Biden, der Republikaner Romney wolle die Banken wieder "ihre eigenen Regeln aufstellen lassen und die Wall Street befreien". "Sie werden Euch wieder die Ketten anlegen", rief der Demokrat der Menge in der Stadt Danville in Anspielung auf die Geschichte der Sklaverei in Virginia zu.
"Verzweifelte Präsidentschaft"
Romney reagierte erbost und forderte Obama bei einem Wahlkampfauftritt im Staat Ohio auf, seine "Kampagne der Spaltung und des Hasses" zurück in seine Heimatstadt Chicago zu tragen. Obama, der 2008 mit dem Versprechen angetreten war, politische Gräben zu überwinden, versuche "Amerika auseinanderzuschlagen", um sich eine Mehrheit für eine zweite Amtszeit zusammenzuschustern. "So sieht eine wütende und verzweifelte Präsidentschaft aus", sagte Romney.
Obama selbst ging bei einem Wahlkampfauftritt in Waterloo im Staat Iowa nicht auf die Angriffe der Republikaner ein. An seiner Stelle sagte sein Sprecher Ben LaBolt, Romneys Äußerungen wirkten "verstört" - und stellte damit implizit Romneys Führungsqualitäten infrage.
Wahlkampftour
Es war der bisher heftigste Schlagabtausch im US-Wahlkampf. Dieser hatte am Wochenende an Fahrt gewonnen, als Romney den konservativen Abgeordneten und Haushaltspolitiker Paul Ryan zu seinem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten erklärte. Sowohl Obama als auch Romney bereisen derzeit mit ihren Wahlkampfbussen US-Staaten, die bei den Wahlen im November als besonders wichtig gelten.
Dabei kam auch die Energiepolitik als Thema in den Mittelpunkt. Romney warf Obama in Ohio, wo es viele Kohleminen gibt, vor, einen "Krieg gegen die Kohle" zu führen und die Branche mit Umweltschutzauflagen zu drangsalieren. Bei einem Auftritt mit Bergarbeitern sagte der Republikaner, Obama interessiere sich nur für die "Energiequellen auf der Erdoberfläche (wie Windkraft und Solarenergie), nicht für die Energiequellen unter der Erdoberfläche wie Öl und Kohle und Gas".
Obama nützt Internet besser
Obama, der sich für einen Ausbau erneuerbarer Energien einsetzt, hielt Romney Unwissenheit in Energiefragen vor. In Iowa sagte er, in dem Staat würden inzwischen 20 Prozent des Stroms über die Windkraft produziert, das sei sauberer Strom für Menschen und Unternehmen. Romney scheine das aber nicht zu wissen.
Das renommierte Institut Pew Research Center veröffentlichte eine Studie, derzufolge Obamas Lager das Internet deutlich besser für seinen Wahlkampf nutzt als die Republikaner. Demnach veröffentlicht Obama täglich im Schnitt 29 Twitter-Mitteilungen, 17 über sein Präsidentschafts-Konto und zwölf über sein Wahlkampfkonto bei Twitter. Romneys Lager kommt auf durchschnittlich einen Tweet pro Tag. Auch bei anderen sozialen Medien liegt Obamas Lager demnach weit vorne. Obama hatte in seinem Wahlkampf 2008 neue Maßstäbe bei der Nutzung des Internets zur Wählermobilisierung und zum Spendensammeln gesetzt.