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Schriller Spot: "Romney Girl" erregt Gemüter

22.08.2012 | 19:45 | Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Ein Videoclip um eine "Miss Switzerland" und Mitt Romney als Inkarnation des Kapitalisten sorgt für Aufregung. Die Obama-Kampagne hat sich auf die Vergangenheit Romneys als Finanzmanager eingeschossen.

Washington. Der Videoclip ist wie dem Klischee entsprungen. Eine „Miss Switzerland“, im Mini-Dirndl und züchtigem Haarkranz, hüpft ins Bild und trällert zur Melodie des Hits „Barbie Girl“: „I'm a Romney girl in a Romney world.“ Sie setzt sich ins rote Sportcabrio eines Mannes, der – samt Perücke – als Mitt Romney und als Inkarnation des Kapitalisten figuriert. In den Straßen Manhattans brausen sie los in eine Romney-Welt voller Steueroasen – in der Schweiz, Luxemburg, Irland und den Cayman-Islands. Die Schweizer Maid räkelt sich im Whirlpool, sie zwitschert: „Ein Leben ohne Steuern ist fantastisch. Das Leben ist eine Party.“

Mit eingängigem Pop, einer schrillen Persiflage und Seitenhieben auf die Milliardäre und Wahlkampf-Financiers Sheldon Adelson und die Koch-Brothers nimmt der „Agenda Project Action Fund“, eine Plattform zur Unterstützung des Wahlkampfs Barack Obamas, dessen republikanischen Widersacher aufs Korn. Der Clip hat indes nicht so sehr in den USA für Aufregung gesorgt, sondern vielmehr in der Schweiz. Die Eidgenossen fühlen sich bis zur Verzerrung karikiert, die Botschaft legte beim Obama-Team Beschwerde ein.

 

Republikanische Schützenhilfe

In den USA selbst ist diese Art des Wahlkampfs wohlbekannt, die Darstellung Romneys in TV-Spots als laxer Steuerzahler und „Raubtierkapitalist“ geistert seit dem Vorwahlkampf im Winter durch die Medien. Seine Rivalen Rick Perry und Newt Gingrich porträtierten ihn als „Aasgeier“, der als Chef der Investmentfirma „Bain Capital“ Firmen filetierte und Jobs ins Ausland verlagerte. Sie bereiteten den Boden für die Obama-Kampagne, sie leisteten Schützenhilfe für den Präsidenten.

Seit Sommerbeginn hat der schmutzige Wahlkampf allerdings an Intensität gewonnen, das Obama-Team verpulverte bereits einen Großteil seines Etats, um den Gegner noch vor der heißen Wahlkampfphase zu brandmarken. Zuletzt geißelten republikanische Politiker und Kommentatoren die gegnerische Kampagne wieder einmal als die übelste und mieseste in der US-Geschichte – und klammerten dabei wohlweislich den Watergate-Skandal aus, hervorgerufen durch einen Einbruch in das demokratische Wahlkampfhauptquartier in Washington vor 40 Jahren.

Als in einem Werbespot ein Stahlarbeiter aus Kansas Romney für den Krebstod seiner Frau verantwortlich machte, weil Bain Capital die Fabrik zugesperrt hatte und er sich die Arztrechnungen nicht mehr leisten konnte, schäumte die Empörung in der Grand Old Party über. Harry Reid legte hingegen noch ein Schäufchen nach. Der demokratische Senatsführer – ein Mormone wie Romney – bezichtigte den republikanischen Kandidaten, seine Steuererklärungen aus dem letzten Jahrzehnt deshalb zu verheimlichen, weil er gar keine Steuern bezahlt habe.

Eine Unterstellung, mit der er in den Polit-Shows hausieren ging – mit dem Kalkül, dass das Etikett an Romney kleben bleibt. Der weigerte sich zwar nach wie vor beharrlich, das Geheimnis über sein Vermögen zu lüften – so wie dies sein Vater George bei dessen Kampagne 1968 mustergültig vorexerziert hatte. Doch fühlte sich Mitt Romney – assistiert von seiner Frau Ann – bemüßigt hinzuzufügen, er habe stets mindestens 13 Prozent an Steuern berappt.

 

Feindbild Wall Street

Aus den Steuererklärungen der letzten beiden Jahre geht hervor, dass sein Steuersatz 14 Prozent betrug. Bekannt ist überdies, dass er in der Vergangenheit Bankkonten in Steuerparadiesen wie der Schweiz, Luxemburg und den Cayman Islands unterhielt. Damit fügt er sich ein ins Feindbild des Wall-Street-Bankers, das seit der Finanzkrise Hochkonjunktur hat.

Vizepräsident Joe Biden stachelte neulich den Zorn der Republikaner an. Romney würde die Regulierung der Finanzbranche wieder aufheben, sagte er. In einer Referenz an die Sklaverei fabulierte Biden vor einem mehrheitlich afro-amerikanischen Publikum in Virginia: „Stattdessen werden sie euch wieder in Ketten legen.“


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