Wien/Luanda. Angola hat am Freitag zum dritten Mal seit seiner Unabhängigkeit von Portugal 1975 ein neues Parlament und einen Präsidenten gekürt. Doch viel dürfte sich im südwestafrikanischen Staat, in dem bis 2002 ein blutiger Bürgerkrieg herrschte, nicht verändern. Präsident José Eduardo Dos Santos (70), der das Land seit 32 Jahren autokratisch regiert, wird den Urnengang wahrscheinlich hoch gewinnen.
Er ist Spitzenkandidat der regierenden MPLA-Partei, die bei der letzten Abstimmung 2008 81 Prozent der Stimmen erhalten hat. „Wir rechnen wieder mit 70 Prozent plus“, erklärte ein Vertrauter des Präsidenten vor Kurzem siegessicher. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet.
Dos Santos gilt vielen Menschen noch immer als Anker der Stabilität. Die Bevölkerung ist vom Bürgerkrieg, der nach der Unabhängigkeit begann und 500.000 Menschenleben gefordert hat, traumatisiert. Die Furcht vor politischer Instabilität ist groß.
Fälschungen befürchtet
Die Abstimmung wird vom Westen aufgrund möglicher Wahlfälschungen genau beobachtet. Oppositionsgruppen beschwerten sich, dass Tausende ihrer Wahlbeobachter keine Genehmigung von der nationalen Wahlkommission erhalten hatten. In Hochburgen der Opposition sollen zur Einschüchterung Militär- und Polizeieinheiten stationiert worden sein.
Dabei hat Dos Santos wenig zu befürchten: Das politische System Angolas ist ganz auf ihn ausgerichtet. Er kontrolliert das Militär, die Polizei, Justiz und Medien. Auch eine Verfassungsänderung 2010 festigte seine Macht. Sie sieht vor, dass der Spitzenkandidat der stimmenstärksten Partei bei der Parlamentswahl der Staats- und Regierungschef wird. Die schwache und zersplitterte Opposition hat dadurch keine Chance auf eine Regierungsbeteiligung. Die stärkste Oppositionspartei Unita erhielt bei den Wahlen 2008 gerade einmal zehn Prozent der Stimmen.
Dabei herrscht große soziale Ungerechtigkeit. Angola hat sich zwar zum zweitgrößten Ölproduzenten, zur drittstärksten Wirtschaft Afrikas entwickelt; 2012 soll das Wachstum wieder bei rund zehn Prozent liegen. Doch der Boom kommt nur wenigen zugute. Korruption und Freunderlwirtschaft sind an der Tagesordnung.
Jeder Dritte ist Analphabet
Mehr als die Hälfte der Angolaner lebt nämlich noch immer unter der Armutsgrenze, jeder dritte Erwachsene ist Analphabet. Viele Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und Strom. Indes schießt in der Hauptstadt ein Wolkenkratzer nach dem anderen aus dem Boden. Luanda ist derzeit die zweitteuerste Stadt der Welt.