Tampa. Nachdem New Yorks Kardinal Timothy Dolan das Schlussgebet gesprochen hatte und John Boehner als Zeremonienmeister den Hammer zum Ende des Parteitags aufs Pult sausen ließ, nachdem die Reden verklungen und die Luftballons zerplatzt waren, zog der Hühnerfarmer Jim Smith sein ganz persönliches Resümee.
„Ich war so müde und niedergeschlagen. Wir sind nicht mehr das, was wir einmal waren. Unsere Kinder müssen sich mit weniger zufriedengeben“, sagte er in der historischen Straßenbahn auf der Fahrt nach Ybor City, Tampas ehemaligem Immigrantenviertel, in dem italienische, spanische und kubanische Einwanderer in den Zigarrenfabriken einst dem „American Dream“ nachhingen.
„Aber jetzt fühle ich mich frisch motiviert. Ich habe Mitt Romney als Familienmensch und Geschäftsmann kennengelernt, als ,Mister Fix-It', als Problemlöser“, erklärte der Rick-Perry-Anhänger aus Hot Springs in Arkansas, der nur einige Blocks von Bill Clinton entfernt aufgewachsen ist.
Parade von Romney-Fans
Die Partei hat ihren Frieden mit dem ungeliebten Patriziersohn Willard Mitt Romney gemacht, dem Mormonen und nüchternen Manager und Ex-Gouverneur des Neuengland-Staats Massachusetts. Am letzten Tag ihres Konvents haben die Republikaner in einem dramaturgischen Bogen alles aufgeboten, um ihren Präsidentschaftskandidaten ins beste Licht zu rücken: Das „Testimonial“ des Mormonenpaares Ted und Pat Oparovski über dessen menschliche Seite ging unter die Haut; eine Parade von Olympioniken – unter ihnen die Gold-Schützin Kim Rhode – pries sein Engagement als Krisenmanager der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City; der Unternehmer Tom Stemberg putschte die Arena mit einem Stakkato gegen das Team Obama/Biden auf: „Sie verstehen es nicht!“ – und das Auditorium fiel, mit jedem Mal lauter, in die Parole ein.
Craig Romney, der jüngste Sohn, und Jeb Bush, Floridas Ex-Gouverneur, buhlten auf Spanisch um die Latinos. Clint Eastwood als Überraschungsgast und Marco Rubio, der smarte und alerte Jungstar aus Florida, stimmten das Publikum auf den triumphalen Einmarsch Romneys ein. Durch das Spalier der Delegierten, von tosenden Ovationen begleitet, schritt er auf die Bühne. Die von Einklatschern angestachelte Begeisterung der Basis übertönte zuweilen sogar seine Rede, von Patriotismus triefende „USA, USA“-Sprechchöre lieferten den Sound für seinen Schwur zum „Comeback Amerikas“. Die Partei ist elektrisiert, sie ist wild entschlossen zur Abwahl Barack Obamas.
Ihm wäre ein Erfolg des Präsidenten am liebsten gewesen, sagte er eingangs. Dabei hatte Senatsführer Mitch McConnell die republikanische Fraktion von der ersten Stunde an auf Obstruktion eingeschworen. Es sei bezeichnend, fuhr Romney fort, dass einzig die Wahl Obamas selbst für Hochstimmung gesorgt hatte. In einem rhetorischen Rückgriff auf Ronald Reagan fragte er: „Geht es euch besser als vor Jahren?“
„Obama versprach, das Ansteigen der Ozeane zu verringern und den Planeten zu heilen. Ich verspreche, euch und euren Familien zu helfen.“ In einem Fünf-Punkte-Plan verhieß Romney unter anderem zwölf Millionen neue Jobs, ein ausgeglichenes Budget und ein starkes Militär. „Mehr Loyalität gegenüber unseren Freunden, weniger Flexibilität gegenüber Putin“, lautet sein außenpolitisches Credo. Luftballons und Konfetti-Flitter gingen hernach auf ihn und seine Bilderbuchfamilie nieder.