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Parteitag der Demokraten: Verdient Obama eine zweite Chance?

03.09.2012 | 18:09 | von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Am Dienstag beginnt der Parteitag der Demokraten. Mit Angriffen gegen die Republikaner mobilisiert Obama die Basis. Die Nation erhofft sich aber eine positive Botschaft des Präsidenten.

Charlotte. Der Präsident hat sich die Messlatte für den Parteitag der Demokraten in Charlotte selbst in schwindelerregende Höhen gelegt. Vor acht Jahren, beim Konvent in Boston, katapultierte sich ein weithin unbekannter Senatskandidat aus Illinois namens Barack Obama ins nationale Rampenlicht. Seine Rede, die Einführung für den damaligen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, elektrisierte die Öffentlichkeit wie Jahrzehnte zuvor John F. Kennedy. „Es gibt kein weißes oder schwarzes Amerika, keines der roten (Republikaner) oder der blauen (Demokraten) Bundesstaaten, sondern nur die Vereinigten Staaten von Amerika.“

Das Zitat qualifizierte den 43-Jährigen umgehend zum Jungstar der Demokraten, und nur vier Jahre später schaffte der Neo-Senator beim Parteitag in Denver schon den Sprung nach ganz oben. Im knallvollen Football-Stadion, vor einer inzwischen vielfach verhöhnten Attrappe griechischer Säulen, ließ sich er sich quasi zum „Polit-Messias“ salben. Der Wahlkampf glich einem Triumphzu.

 

Abgesunken in die Niederungen

Vor dem Auftakt des Parteikonvents am Dienstagabend ist der Präsident längst in die Niederungen der Parteipolitik hinabgesunken, in die Polarisierung der ideologischen Lager verstrickt: in kleinlichem Hickhack und giftigen Attacken. Der Enthusiasmus ist angesichts der wirtschaftlichen Stagnation verflogen, Ernüchterung ist eingekehrt über die Heilsversprechen des Hoffnungsträgers.

Obama füllt mit seiner hochfliegenden Rhetorik nicht mehr Hallen und Stadien, die Wahlkampfpilger strömen nicht mehr zu Zehntausenden zu den Kundgebungen. Für die „Krönungsmesse“ im Football-Stadion in Charlotte mit einem Fassungsvermögen von 74.000 Zuschauern werden die Demokraten ihre Anhänger darum auch in Bussen aus dem ganzen Land herankarren – sofern das Open-Air-Spektakel nicht wegen der Ausläufer des Hurrikans „Isaac“ ins Wasser fällt.

Für Charlotte hat sich das Obama-Team eine Defensivstrategie zurechtgelegt, zuletzt getestet bei einer College-Tour. Mitt Romney, kritisierte der Präsident unter dem Jubel der Studenten auf dem Uni-Campus in Boulder vor der malerischen Kulisse der Rocky Mountains, habe keine Vision, keine neue Idee präsentiert. Die Republikaner repräsentierten eine Partei des vorigen Jahrhunderts – aus der „Schwarz-Weiß-Ära des Fernsehens“, wie Obama spöttelte.

Die Demokraten werden ihre Gegner gezielt als seelenlose „Finanzhaie“ porträtieren, die mit ihrer Politik der Steuerkürzungen und der Einschnitte ins Sozialsystem nur die Kluft zwischen Reich und Arm vergrößerten. Und sie werden die „radikalen Elemente“ ins Visier nehmen – die rigorosen Antiabtreibungskämpfer, die Waffenfetischisten, den Tea-Party-Flügel. Obama monierte überdies, Romney habe bei seiner Parteitagsrede in Tampa kein einziges Mal den Afghanistan-Krieg und die Opfer unter den US-Soldaten angesprochen. Loyalität zum Militär und überschäumender Patriotismus sind üblicherweise integraler Bestandteil der Grand Old Party.

 

Absturz in Depression vereitelt

Über dem Konvent schweben die Fragen: „Geht es uns besser als vor vier Jahren? Verdient Obama eine zweite Amtszeit?“ Die standardmäßige Antwort der Demokraten lautet: Ohne die Soforthilfe für die Banken und die Autoindustrie, ohne das Konjunkturprogramm wäre es noch schlimmer gekommen. Die USA, so der Tenor, wären in eine Depression gestürzt. Nur wenige Stunden nach der Parteitagsrede Obamas werden die neuen Arbeitslosenzahlen indessen von weiterer Stagnation künden.

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