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8.8.88.: Burmas unvollendete Revolution

07.08.2008 | 18:29 | Von unserer Korrespondentin NICOLA GLASS (Die Presse)

Vor 20 Jahren scheiterte der Versuch von Studenten, das Militärregime abzuschütteln.

BANGKOK/ RANGUN. Er will lieber heute als morgen zurück in seine Heimat. Daran lässt Aung Zaw keinen Zweifel: „Es ist nur eine knappe Stunde Flug nach Rangun“, sagt der im thailändischen Exil lebende Herausgeber der oppositionellen Zeitschrift „Irrawaddy“. „Und doch ist es für mich nicht möglich, nach Hause zu gehen.“ Der Journalist ist einer von vielen Dissidenten, die nach der gewaltsamen Niederschlagung der Studentenproteste 1988 aus dem Land geflohen waren. Mehrere tausend Menschen waren damals ermordet oder verschleppt worden.

Unter der Herrschaft von General Ne Win, der sich 1962 an die Macht zurückgeputscht hatte, war es mit Burma unter dem von der Junta propagierten Motto eines „Burmesischen Weges zum Sozialismus“ stetig bergab gegangen. Nicht genug damit, dass brutale politische Unterdrückung an der Tagesordnung war: Auch die wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Bevölkerung verschlechterten sich drastisch.

Bitter sei es gewesen, mitzuerleben, wie Menschen einen halben Tag lang für ein Stück Gebäck oder Milchpulver hatten anstehen müssen, erinnert sich die heute in Thailand arbeitende Wissenschaftlerin Myint Myint San. Jenes Jahr 1988, in welchem der Frust des Volkes in den von Studenten angeführten Massenprotesten gipfelte, empfindet sie heute noch als „Geburtsstunde der Menschenrechte“. Den Demonstrationen hatten sich landesweit Mönche, Arbeiter, Lehrer und sogar Polizisten und Soldaten angeschlossen. Doch im September 1988 hatte das Militär die friedlichen Proteste blutig niedergeschlagen.

 

2000 politische Gefangene

Seitdem hat sich die Menschenrechtslage in Burma nicht verändert – im Gegenteil. Allein im vergangenen Jahr mussten im Osten Burmas rund 76.000 Menschen wegen militärischer Offensiven fliehen. Die Anzahl der politischen Gefangenen beziffern Beobachter auf etwa 2000. Einige von ihnen hatte der neue UN-Menschenrechtsbeauftragte Tomas Ojea Quintana während seines gerade beendeten Burma-Aufenthaltes besuchen dürfen, darunter den seit 1989 inhaftierten 78-jährigen Journalisten Win Tin sowie den buddhistischen Mönch Gambira. Letzterer hatte bei den friedlichen Massendemonstrationen vom September 2007 eine führende Rolle gespielt. Diese Proteste hatte die Junta ebenfalls gewaltsam unterdrückt. Im Gedenken an 1988 sprechen Dissidenten von einer „unvollendeten Revolution“. Doch wie das Militärregime letztlich gestürzt werden könnte, darüber herrscht große Ratlosigkeit.

Zuletzt forderten 60 Oppositionsgruppen und Menschenrechtsorganisationen Einigkeit von der Weltgemeinschaft, um Druck auf Burmas Junta ausüben zu können. Vor allem China, treuester Verbündeter der Generäle, müsse aufhören, den Machthabern den Rücken zu stärken.

US-Präsident George Bush, der auf dem Weg zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking in Bangkok Station machte, erklärte, die USA würden sich für ein „Ende der Tyrannei“ in Burma einsetzen. Während eines Mittagessens mit Dissidenten sicherte Bush zudem zu, mit China über die Lage in Burma reden zu wollen.

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