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Syrien und Libanon beenden Eiszeit

15.10.2008 | 13:49 |  (DiePresse.com)

Nach 60 Jahren nehmen Syrien und der Libanon wieder diplomatische Beziehungen auf. Der libanesische Premier sprach von "einem Schritt vorwärts auf dem Weg der Festigung der Unabhängigkeit und Souveränität des Libanon".

Syrien und der Libanon haben am Mittwoch die vor drei Monaten vereinbarte Herstellung von vollwertigen diplomatischen Beziehungen besiegelt. In einer gemeinsamen Erklärung, die nach einem Treffen der beiden Außenminister, Walid al-Muallem und Faouzi Salloukh, in Damaskus veröffentlicht wurde, hieß, die zwischenstaatlichen Beziehungen sollten auf "gegenseitigem Respekt" fußen. Jede Seite respektiere die Unabhängigkeit und Souveränität der jeweils anderen und bekenne sich zur Wahrung "brüderlicher privilegierter Beziehungen entsprechend dem Wunsch der beiden Völker".

In Beirut unterstrich der libanesische Ministerpräsident Fouad Siniora, dass "eine neue Seite" im bilateralen Verhältnis zwischen Syrien und dem Libanon aufgeschlagen werde. Der Premier sprach von "einem Schritt vorwärts auf dem Weg der Festigung der Unabhängigkeit und Souveränität des Libanon". Der syrische Präsident Bashar al-Assad hatte am Vortag die Eröffnung der ersten Botschaft seines Landes in Beirut angeordnet.

Die Normalisierung der Beziehungen hatte Assad mit dem libanesischen Staatspräsidenten General Michel Sleimane bereits am 12. Juli am Rande des Gründungsgipfels der Mittelmeerunion in Paris vereinbart.

60 Jahre diplomatische Eiszeit

Seit ihrer Unabhängigkeit in den 1940er-Jahren unterhielten Syrien und der Libanon nie reguläre diplomatische Beziehungen. Syrien hatte den kleineren Nachbarn als Schöpfung der vormaligen Mandatsmacht Frankreich betrachtet. Für Damaskus hatten die Beziehungen einen "privilegierten Charakter", weshalb sich normale diplomatische Kanäle erübrigt hätten. Syrien hatte seine Truppen 2005 nach 29-jähriger Präsenz aus dem Libanon abgezogen, nachdem es dort zur "Zedernrevolution" gekommen war. Diese war durch den Mord an dem libanesischen Spitzenpolitiker und Ex-Premier Rafik Hariri ausgelöst worden, für den syrische Geheimdienstkreise als Drahtzieher verantwortlich gemacht werden.

Seit 1991 besteht ein Freundschafts- und Beistandspakt zwischen Damaskus und Beirut. Das Schicksal von rund tausend verschwundenen Libanesen, die in syrischer Haft vermutet werden, wartet noch auf Aufklärung.

US-Präsident George W. Bush hatte Syrien am Montag davor gewarnt, die Souveränität des Libanon nicht zu respektieren. Syrien müsse den Libanon bedingungslos als unabhängigen Staat achten und seine "Unterstützung für den Terrorismus" beenden, forderte Bush.


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