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Rassismusalarm in Italien

15.10.2008 | 19:22 | WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Eine Serie von Übergriffen auf Immigranten schockiert die Öffentlichkeit. Die Regierung verurteilte die ausländerfeindlichen Übergriffe.

WIEN/MAILAND. Sie schlugen Anna zu Boden, beschimpften sie, traten auf sie ein. Annas „Vergehen“: Sie hatte sich geweigert, ihren Platz im Autobus einer Mitschülerin zu überlassen. Der Angriff auf die junge Frau im norditalienischen Varese hat jetzt sogar den Vatikan auf den Plan gerufen. Denn Annas Eltern sind Einwanderer aus Marokko. Und die Attacke auf das Mädchen reiht sich in eine ganze Serie von Übergriffen gegen Immigranten ein.

„Italiens Regierung bekräftigt zwar, es gäbe keinen Grund, Rassismusalarm zu schlagen. Aber die Diskriminierung ist ein Faktum“, meinte Monsignore Agostino Marchetto, im Vatikan mit der Seelsorge für Migranten betraut, und bekundete Solidarität mit der jungen Anna. Und selbst Gianfranco Fini, Präsident der Abgeordnetenkammer und einst deklarierter Mussolini-Fan, warnte vor einem Erstarken der Ausländerfeindlichkeit in Italien.

 

Attacke mit Baseballschläger

Verkommt das Belpaese, das Land von Dante, da Vinci und Dolce & Gabbana etwa zum Land finsterer Rassisten? Eine Frage, die Italiens Innenpolitik und Medien schon seit Wochen bewegt. Erst die pogromartigen Ausschreitungen gegen Roma bei Neapel im Mai. Dann der Mord an sechs Afrikanern durch die Mafia im süditalienischen Städtchen Castel Volturno Ende September. Und schließlich die nicht enden wollenden Berichte über Immigranten, die auf Italiens Straßen verprügelt worden sind, wie etwa Ravan Ngone.

Der 39-jährige Senegalese hatte Anfang Oktober auf dem kleinen Markt in der Via Archimede in Mailand Handtaschen verkauft – zum Ärger einiger italienischer Händler. „Geh nach Hause. Du nimmst uns die Arbeit weg“, schimpfte einer von ihnen. „Ich muss auch essen, also muss auch ich arbeiten“, gab Ngone zurück. Der Streit eskalierte. Einer der Italiener ging mit einem Baseballschläger auf den Senegalesen los und verletzte ihn am Kopf.

Italiens Mitte-links-Opposition wirft der Mitte-rechts-Regierung vor, gleichsam mitschuldig an den Übergriffen zu sein: Die Koalition von Silvio Berlusconi habe mit ihrer harten Linie in der Ausländerpolitik für ein Klima der Xenophobie gesorgt.

 

„Das ist nicht in unserer DNA“

Die Regierung weist die Vorwürfe zurück. Sie verurteilte die ausländerfeindlichen Übergriffe. Und nach dem Mord an den Afrikanern in Castel Volturno beeilten sich Innenminister Roberto Maroni und Verteidigungsminister Ignazio La Russa, ein deutliches Signal zu setzen: Die Polizei startete umfangreiche Razzien gegen den Mafia-Clan, der für das Verbrechen verantwortlich sein soll.

Mehrere hundert Soldaten wurden in die Region verlegt. Fallschirmjäger errichteten Checkpoints. Doch auch ausgerechnet die Sicherheitskräfte waren zuletzt mit Rassismusvorwürfen konfrontiert – vor allem die Polizei von Parma. Zunächst gelangte das Bild einer afrikanischen Prostituierten an die Öffentlichkeit, auf dem sie halb nackt am Boden einer Zelle der Stadtpolizei liegt.

Dann sorgte der Fall des 22-jährigen Ghanesen Emmanuel Bonsu Foster für Aufregung. Er wirft Parmas Polizei vor, als „schmutziger Neger“ beschimpft und verprügelt worden zu sein. Zeugen bestätigen diese Angaben.

Ein Baustein mehr in einer Diskussion, die immer emotionaler geführt wird. „Parma ist nicht xenophob“, verteidigte nun etwa der Schriftsteller Alberto Bevilacqua seine Geburtsstadt. „Der Rassismus ist nicht Teil unserer DNA.“

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