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Türkei: Regierung entschuldigt sich erstmals für Folter

15.10.2008 | 19:22 |  (Die Presse)

Justizminister kondoliert nach Tod eines Häftlings. Jährlich hunderte Folterfälle.

Wien/Ankara (hd). Das hat es in der Türkei noch nie gegeben: dass sich ein Minister öffentlich für Folter entschuldigt. So nun geschehen im Fall des 29-jährigen Engin Ceber. Seine Geschichte war zu stark in den Medien präsent, als dass die Regierung zur Tagesordnung hätte übergehen können.

Ende September war er beim Verteilen einer linksgerichteten, aber nicht verbotenen Zeitschrift verhaftet worden. Auf der Polizeiwache und im Gefängnis wurde er schwer geschlagen, wie der Obduktionsbericht bestätigt. Ceber erlitt eine Gehirnblutung, an der er vergangene Woche verstarb. „Alle, die dafür verantwortlich sind, dass die Türkei mit einem solchen Fall konfrontiert ist, werden bestraft“, sagte Justizminister Mehmet Ali Sahin und suspendierte 19 Beamte vom Dienst.

Doch die Türkei ist nicht mit „einem solchen Fall“ konfrontiert, sondern mit hunderten. Allein 2007 gingen bei der Justiz laut der Menschenrechtsgruppe IHD 678 Beschwerden über Folter und Misshandlung ein.

Bedrängt werden in der Türkei auch religiöse Minderheiten. Und so rief der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn bei seiner jüngsten Türkei-Reise, zu der ihn die türkische Religionsbehörde Diyanet eingeladen hatte, dazu auf, dass die islamische Mehrheit „eine Art Schutzfunktion für die religiösen Minderheiten“ übernimmt.


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