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Palin-Rücktritt: Vabanquespiel oder cleverer Schachzug?

04.07.2009 | 13:59 |  (DiePresse.com)

Der Rücktritt der Gouverneurin von Alaska heizt Spekulationen an, wonach sie das Präsidentenamt anstreben könnte. Ein republikanischer Stratege ist verwirrt: "Das wäre so skurril, wie man sich es nur vorstellen kann".

Wirbel um Sarah Palin: Die umstrittene Republikanerin kündigte am Freitag überraschend ihren baldigen Rücktritt als Gouverneurin von Alaska an. Umgehend wurden Spekulationen laut, die frühere Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft strebe nach höheren politischen Weihen in Washington und womöglich gar ins Präsidentenamt.

Palin: Amt nicht als "lahme Ente" absitzen

Sie stehe nicht zur Wiederwahl bereit und werde am 26. Juli das Amt an ihren bisherigen Vize Sean Parnell abgeben, kündigte die 45-jährige Palin bei einer Pressekonferenz in Wasilla an. Eigentlich wäre ihre Amtszeit als Gouverneurin erst 2010 abgelaufen. Lieber wolle sie nun außerhalb der Regierung "Position beziehen und Wandel bewirken, nicht nur mit dem Kopf gegen die Wand rennen und zusehen, wie wertvolle Zeit und wertvolles Geld des Staates (...) verrinnen".

"Ich bin entschlossen, den richtigen Weg für Alaska einzuschlagen, auch wenn er unkonventionell und nicht so bequem ist", sagte Palin. Es sei "Zeit, den Ball für den Sieg abzuschlagen". Da sie nicht als Gouverneurin wiedergewählt werden wolle, ergebe es wenig Sinn, die Amtszeit noch als "lahme Ente" abzusitzen. Ihre Entscheidung sei über eine ganze Weile gereift. Palins Parteifreunde und Mitarbeiter reagierten jedoch überrascht: "Ganz ehrlich, wir hatten keine Ahnung, bis die Nachricht die Runde machte", sagte der Chef der Finanzbehörde von Alaska, Pat Galvin: "Das war ein ganz schöner Schock."

Spekulationen um Antritt bei Präsidentschaftswahl

Palins Ankündigung heizte Spekulationen an, die Ex-Schönheitskönigin, passionierte Jägerin und fünffache Mutter wolle jetzt schon ihre Kandidatur bei der US-Präsidentenwahl 2012 vorbereiten. Anfang Juni ergab eine Umfrage des Fernsehsenders CNN, dass sie zu den drei Favoriten der Republikaner für den Wahlkampf gehört; sie lag Kopf an Kopf mit dem Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, und dem früheren Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee.

Indem sie noch vor Ablauf ihrer Amtszeit den Gouverneursposten aufgibt, hätte Palin theoretisch mehr Zeit, im Land umherzureisen und ein Team für ihre Ambitionen in der nationalen Politik aufzubauen - was ihr den Weg für eine Präsidentschaftskandidatur ebnen könnte. In ihrer Pressekonferenz beließ Palin es bei Andeutungen, was ihre Pläne für eine noch ehrgeizigere politische Karriere anging. Zugleich beklagte sie die Oberflächlichkeit und Verschwendung des politischen "Kampfsports".

Republikanern fehlt nationale Führungspersönlichkeit

Der Konservative Bill Kristol, Herausgeber des "Weekly Standard", kommentierte auf der Website des Magazins: "Ein ganz schönes Vabanquespiel - aber es könnte ein cleverer Schachzug sein." Schon lange hätten die Konservativen im Land schließlich gejammert, ihnen fehle eine nationale Führungspersönlichkeit: "Sie wird jetzt versuchen, genau das zu werden."

Republikaner-Stratege John Weaver sagte der "Washington Post": "Wenn es hier um eine Kandidatur fürs US-Präsidentenamt geht, dann wäre das so skurril, wie man es sich nur vorstellen kann."

Palin hatte ihr Gouverneursamt im Dezember 2006 angetreten - so jung wie sie kam noch niemand in Alaska auf diesen Posten. Zwischenzeitlich holte sie in Umfragen Sympathiewerte von 80 Prozent. Schlagartig berühmt auch über die Grenzen Alaskas hinaus wurde Palin, als Parteifreund John McCain sie 2008 im Präsidentenwahlkampf zur Kandidatin für das Vizeamt machte. Es gelang ihr, mit einer Mixtur aus traditionellen Werten und spektakulären öffentlichen Auftritten die Parteibasis der Republikaner wieder in Schwung zu bringen. Nach dem gescheiterten Wahlkampf und einer Reihe von Beschwerden über ihre Amtsführung verlor Palin allerdings an Popularität.


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