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Die Republikaner – eine aussterbende Spezies?

04.07.2009 | 17:56 | von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Die Misere der Grand Old Party. Die Partei erodiert, es fehlt an Persönlichkeiten und politischen Ideen.

Drastisch brachte Jon Stewart, der sarkastische Moderator der „Daily Show“, die personelle Misere der Republikaner auf den Punkt: „Mark Sanford kann Michael Jackson dafür danken, dass er ihm den Arsch gerettet hat.“ Der Hype um den abrupten Tod des Popstars hat den Gouverneur von South Carolina aus den Schlagzeilen verdrängt.

Nach wie vor aber schwebt der Rücktritt über dem ambitionierten Südstaatenpolitiker, der einst als eine der Hoffnungsfiguren der Republikaner galt. Nach seinem mysteriösen Verschwinden, dem Eingeständnis einer Liebesaffäre mit einer Argentinierin, Erklärungen und Entschuldigungen, die zum Desaster gerieten, gibt niemand mehr einen Cent auf seine politische Karriere. Obendrein hat der bibelfeste vierfache Familienvater freimütig ausgeplaudert, auch anderen Frauen nähergekommen zu sein, ohne die „rote Linie“ übertreten zu haben: „Auch König David hat gesündigt und ist wieder aufgestanden.“

Die Grand Old Party (GOP) steckt in einer schweren Krise. Als wären sie nach der Wahlschlappe im Vorjahr nicht genug gebeutelt, stürzten die Republikaner in den vergangenen Wochen noch weiter ins Tief. Zuerst sorgte John Ensign, Senator von Nevada und potenzieller Präsidentschaftskandidat, mit dem Bekenntnis seiner Liebschaft zu einer Mitarbeiterin und Freundin der Familie für Furore. Und zuletzt verloren sie nach erbittertem Kampf auch noch die Sperrminorität im Senat, in dem sie sich bisher durch eine destruktive Totalblockade gegen die Obama-Politik gestemmt haben. Ein eigenes Konzept haben sie nicht präsentiert. Für die Amerikaner steht die GOP für Big Business – ein Negativlabel in Zeiten der Rezession. Die Partei erodiert.

Als außerparlamentarische Führer der Opposition haben sich zwei Hardcore-Rechte profiliert, die die Nation polarisieren: der Radiomoderator Rush Limbaugh und der unpopuläre Ex-Vizepräsident Dick Cheney. Auch Newt Gingrich, Bill Clintons früherer Gegenspieler, irrlichtert wieder durch die Washingtoner Politszene. Die moderaten Republikaner sind indessen an den Rand gedrängt. Jon Huntsman, den Gouverneur von Utah und möglichen Herausforderer, hat Präsident Obama als Botschafter nach Peking befördert. Vergebens haben Jeb Bush, George W. Bushs Bruder, und Mitt Romney, Spitzenreiter unter den Präsidentschaftsanwärtern, sich bemüht, die Partei in der Mitte zu positionieren.

Orientierungs- und ideenlos, moralisch-politisch diskreditiert und ausgezehrt von den ideologischen Gefechten der Bush-Ära, kämpfen die Republikaner überdies mit einem Strukturproblem. Sie sprechen die wachsenden Minderheiten im Land nicht an. Parteistrategen lästern bereits über eine aussterbende Spezies: die Partei des reichen, weißen Mannes und Country-Club-Mitglieds, des WASP.


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