Nur wer gegen die USA demonstriert, darf sich am Mittwoch, mit Transparenten auf Teherans Straßen blicken lassen: „Andere Zusammenkünfte oder Demonstrationen sind illegal und die Polizei wird dagegen entschieden durchgreifen“, meldet die iranische Nachrichtenagentur IRNA. Die Regierung in Teheran erinnert an den dreißigsten Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft, doch die Opposition um Mir Hussein Moussavi hat ebenfalls Proteste angekündigt. Die iranische Führung befürchtet nun, dass die Regimekritiker die Anti-US-Demonstrationen nutzen könnten, um eine neue Protestkampagne gegen die Regierung in Schwung zu bringen. Denn die nach der von Wahlfälschungsvorwürfen überschatteten Wiederwahl von Präsident Ahmadinejad aufbrandende Protestwelle ist in der Zwischenzeit verebbt. Tausende Menschen wurden verhaftet, Dutzenden wird der Prozess gemacht.
„Die Höhle der Spione“
Also sollen sich nur regierungstreue Demonstranten an der Ecke Shadid Mofateh und Taleqani einfinden, um vor den Mauern des US-Botschaftskomplexes zu demonstrieren. Das Gelände ist in Teheran heute als „Lanih-'i Jasoosi“ („Höhle der Spione“) bekannt, vor genau dreißig Jahren wurde hier Geschichte geschrieben. Eine Gruppe von Anhängern von Ayatollah Ruhollah Khomeini überrannte die US-Botschaft und nahm 66 Geiseln.
Der heutige iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad, der damals an der Tarbiat-Modarres-Universität studierte, war damals übrigens für eine Besetzung der sowjetischen Botschaft, wie Mark Bowden in seinem Buch „Guests of the Ayatollah“ berichtet. Das hätte der Geschichte wohl einen anderen Verlauf gegeben, heute gilt Russland als wichtigster Verbündeter Teherans.
Interessanterweise betonte Ahmadinejad gleich nach seiner Wahl im Jahr 2005, dass er gegen eine Besetzung der US-Botschaft war. Wie sieht die Bilanz der Botschaftsbesetzung und der Geiselnahme von 52 Menschen für insgesamt 444 Tage aus?
Bilanz der Botschaftsbesetzung
US-Präsident Jimmy Carter wurde nicht zuletzt durch die Geiselkrise politisch so schwer beschädigt, dass er bei den Wahlen 1980 Ronald Reagan unterlag. Auch die Freilassung der Geiseln am 20. Jänner 1981 kurz nach der Vereidigung von Reagan konnte die Beziehung zwischen beiden Ländern nicht verbessern – das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der islamischen Republik bleibt nachhaltig vergiftet.