Afghanistans Präsident Hamid Karzai muss sich nach seiner umstrittenen Wiederwahl auf heftigen Widerstand der Opposition unter seinem Rivalen Abdullah Abdullah gefasst machen. Der unterlegene Herausforderer schloss am Mittwoch ein Mitwirken an einer Regierung Karsais strikt aus.
Er sei an einem Posten in einem solchen Kabinett nicht interessiert, sagte Abdullah in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seitdem die von der Regierung eingesetzte Wahlkommission Karsai Anfang der Woche zum Wahlsieger erklärte.
Die Entscheidung der Wahlkommission habe "keine legale Grundlage", sagte Abdullah am Mittwoch in Kabul. Der Ex-Außenminister hatte am Wochenende seine Kandidatur für eine Stichwahl mit Karzai zurückgezogen, da er eine Wiederholung des massiven Wahlbetrugs des ersten Wahlgangs fürchtete.
UNO warnt vor Verlust der Unterstützung
Der Chef der UNO-Mission in Afghanistan, der Norweger Kai Eide, warnte Karzai vor dem Verlust der internationalen Unterstützung, sollte er sein Kabinett nicht deutlich umbauen. "Wir sind an einem Wendepunkt", sagte Eide in einem am Dienstag ausgestrahlten Interview mit dem US-Sender PBS.
Die afghanische Führung müsse in diesem Punkt ein "wichtiges positives Signal" senden. "Einige Afghanen glauben, Afghanistan sei strategisch so bedeutend, dass wir dortbleiben, egal was passiert. Das ist einfach nicht richtig", sagte Eide.
Karzai hatte am Dienstag eine bessere Regierungsführung versprochen. Beim ersten Auftritt nach seiner Ausrufung zum Wahlsieger kündigte er an, die Korruption bekämpfen und eine Einheitsregierung bilden zu wollen.