15. Juli 2008: Motassim Bilal ("Hannibal") al-Gaddafi, ein Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi, und seine schwangere Frau Aline werden im Genfer Hotel "Président Wilson" festgenommen wegen Verdachts auf Misshandlung von zwei Hausangestellten. Zwei Tage später werden sie gegen Kaution von einer halben Million Franken (rund 330.800 Euro) freigelassen.
19. Juli 2008: In Libyen werden zwei Schweizer Geschäftsleute festgenommen wegen angeblicher Verstöße gegen Einwanderungs- und andere Gesetze.
Herbst 2008: Trotz Einstellung des Verfahrens gegen die Gaddafis und diplomatischer Bemühungen kommt es zu keiner Einigung, da die Schweiz eine von Libyen geforderte Entschuldigung verweigert. Libyen schränkt die Luftverkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen mit der Schweiz stark ein.
Ende Dezember 2008: In einem Untersuchungsbericht zur Affäre Gaddafi stellt der Schweizer Rechtsprofessor Lucius Caflisch fest, die Genfer Polizei habe nicht unrechtmäßig, aber unangemessen gehandelt.
8. April 2009: Libyen und das Ehepaar Gaddafi reichen eine Zivilklage gegen den Kanton Genf ein.
Juli/August 2009: Staatschef Gaddafi fordert öffentlich die Aufteilung der Schweiz unter ihren Nachbarstaaten. Ein entsprechender libyscher Vorstoß bei der UNO wird von dieser zurückgewiesen.
20. August 2009: Bundespräsident Hans-Rudolf Merz reist nach Tripolis und entschuldigt sich beim libyschen Regierungschef Ali al-Mahmudi für die Verhaftung Hannibal al-Gaddafis. In einem Vertrag einigen sie sich auf die Wiederherstellung der Beziehungen und die Untersuchung der Affäre durch ein Schiedsgericht. Laut Merz verspricht Libyen, dass die festgehaltenen Geschäftsleute bis Monatsende ausreisen können.
Ende August 2009: Libyen lässt die beiden festgehaltenen Schweizer nicht ausreisen. Diese müssten sich der Justiz stellen - wegen angeblicher Verstöße gegen Visabestimmungen, erklären libysche Regierungsvertreter.
Mitte September 2009: Die beiden festgehaltenen Schweizer werden unter einem Vorwand aus der Botschaft geholt und an einen bis heute unbekannten Ort verbracht.
23. September 2009: Bundespräsident Merz trifft in New York den libyschen Revolutionsführer. Laut Merz versichert ihm dieser, er werde sich für die Freilassung der beiden Schweizer einsetzen. Angeblich fordert Gaddafi eine Entschuldigung auch für die Veröffentlichung des Polizeifotos von Hannibal al-Gaddafi in den Medien.
22. Oktober 2009: Nach Ablauf der Frist zur Normalisierung der Beziehungen kündigt der Bundesrat an, den Ton gegenüber Libyen zu verschärfen.
2. November 2009: Die Außenpolitische Kommission des Nationalrats (APK) beschließt eine Motion für eine Visasperre gegen Libyer.
4. November 2009: Der Bundesrat sistiert das Abkommen mit Libyen vom 20. August. Er will ferner die restriktiven Visa-Maßnahmen gegenüber libyschen Personen weiterführen.
1. Dezember 2009: Die zwei Schweizer werden wegen Visavergehen zu 16 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt.
31. Jänner 2010: Der Schweizer Rachid Hamdani wird in zweiter Instanz vom Vorwurf des illegalen Aufenthalts in Libyen freigesprochen. Göldi wrid wegen illegalen Aufenthalts in einem Revisionsverfahren zu vier Monaten Haft verurteilt.
14. Februar 2010: Die Schweiz verbietet laut libyschen Medienangaben 188 hochrangigen Libyern die Einreise in die Schweiz, unter ihnen Machthaber Muammar Gaddafi und seiner Familie.
15. Februar 2010: Libyen verweigert EU-Bürgern mit Ausnahme von Briten die Erteilung von Einreise-Visa. Betroffen sind alle Länder der Schengen-Zone.
22. Februar 2010: Libyen stellt der Schweiz ein Ultimatum. Der Geschäftsmann Max Göldi, der sich seit November in der Schweizer Botschaft aufhält, müsse bis Montagmittag an die Behörden ausgeliefert werden. Andernfalls werde Libyen "Maßnahmen ergreifen". Göldi stellt sich den Behörden und geht ins Gefängnis. Rachid Hamdani darf indessen das Land verlassen.
25. Februar 2010: Gaddafi ruft zum "Heiligen Krieg" gegen die Schweiz auf. Das Land sei wegen des Minarett-Verbots "ungläubig".
3. März 2010: Libyen verhängt ein "totales Wirtschaftsembargo" über die Eidgenossen. Libyen war 2008 der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Afrika.
10. Juni 2010: Libyen lässt Max Göldi vorzeitig frei. Ursprünglich war das Haftende für den 16. Juni festgesetzt gewesen.