Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC), Luis Moreno-Ocampo, hat in Kenia Gespräche über die Bestrafung der Hintermänner der blutigen Unruhen von 2008 aufgenommen. "Ich bin überzeugt, dass es bei den Ausschreitungen nach den Wahlen zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit gekommen ist", sagte Moreno-Ocampo vor der Presse in Nairobi. Der ICC-Chefankläger will im Dezember ein Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof eröffnen.
Krisenvermittler Kofi Annan hatte Moreno-Ocampo im Juli eine Liste mit Hauptverdächtigen für die Gewaltakte übergeben, auf der Spitzenpolitiker aus den Lagern der früheren Rivalen Mwai Kibaki und Raila Odinga stehen sollen: Minister, Abgeordnete und einflussreiche Geschäftsleute.
Gewaltwelle mit 1300 Toten
Am Donnerstag traf ICC-Chefankläger Moreno-Ocampo mit Präsident Kibaki und Ministerpräsident Odinga zusammen. Sie seien bereit, mit dem Gerichtshof zusammenzuarbeiten, ließen Kibaki und Odinga verlauten. Nach der Gewaltwelle mit mehr als 1300 Toten war ein Sondertribunal angekündigt worden. Dieses wurde aber mehrfach vertagt.
Nach den Präsidentschaftswahlen Ende Dezember 2007 brach in Kenia ein Machtkampf zwischen Amtsinhaber Kibaki und Oppositionschef Odinga aus. Beide sahen sich als Sieger, beide sprachen von massivem Wahlbetrug. Das Land versank in Chaos und Gewalt. Rund 1300 Menschen wurden getötet, 300.000 ergriffen die Flucht.