Zehn Monate nach dem Doppelmord an einem russischen Menschenrechtsanwalt und einer Journalistin in Moskau hat die Polizei zwei mutmaßlich rechtsextreme Täter festgenommen. Die ehemaligen Mitglieder einer nationalistischen Gruppe sollen Stanislaw Markelow und Anastassija Baburowa im Jänner wegen deren antifaschistischer Haltung ermordet haben, sagte ein Justizsprecher am Donnerstag.
Sergej Sokolow, Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", für die Markelow und Baburowa gearbeitet hatten, sagte für Meldungen über eine lückenlose Aufklärung sei es zu früh. Nach der international verurteilten Bluttat waren Stimmen laut geworden, die Täter könnten aus dem Kaukasus stammen. Tatsächlich könnten die Mörder aber statt aus dem Konfliktgebiet Kaukasus, wo die beiden Opfer für eine Stärkung der Menschenrechte eingetreten waren, aus dem neofaschistischen Milieu kommen, sagte Sokolow.
Bei Metrostation erschossen
Nach Justizangaben soll die festgenommene junge Frau unter einem Vorwand Markelow (34) und Baburowa (25) nach einer Pressekonferenz im Zentrum von Moskau in die Nähe einer Metrostation geführt haben. Ihr ebenfalls festgenommener Komplize habe die Beiden dort erschossen und sei geflohen.
Markelow hatte auch mit der 2006 ermordeten "Nowaja Gaseta"- Journalisten Anna Politkowskaja zusammengearbeitet. Die als rechtsextrem geltende Organisation Russische Nationale Einheit (RNE), deren Mitglieder die beiden Festgenommenen eine Zeit lang gewesen sein sollen, wies jede Beteiligung an der Bluttat zurück.
Medwedew lobt Ergebnisse
Kremlchef Dmitri Medwedew lobte die Ermittlungsergebnisse. Er hoffe, dass die Beweise für einen Prozess ausreichten. Der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes, Alexander Bortnikow, sagte, auf das Konto der RNE gehe mindestens ein anderer Mord.