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Israel: Medienkrieg um gekapertes Schmuggelschiff

05.11.2009 | 18:36 |  (Die Presse)

Ein israelisches Spezialkommando hat einen mit Waffen und Munition beladenen Frachter abgefangen. Offenbar kam das Schiff aus dem Iran und war für die Hisbollah gedacht.

Jerusalem (kna). 300 Tonnen Rüstungsmaterial, also sechsmal soviel wie zunächst vermutet, entluden israelische Marinesoldaten bis Donnerstagmorgen von dem am Vortag gekaperten deutschen Frachter Francop. Die libanesisch-schiitische Hisbollah und Syrien, die beide jede Verbindung zu dem Schiff leugnen, und Israel liefern sich einen Medienkrieg um die Affäre.

Israel missbrauche den Zwischenfall, um die internationale Aufmerksamkeit vom Goldstone-Bericht abzulenken, jener UN-Untersuchung zum Gazakrieg, die derzeit von der UN-Vollversammlung diskutiert wird, hieß es vonseiten der Hisbollah. Die Organisation erklärte, sie habe „nichts mit den Waffen zu tun“. Syriens Außenminister Walid al-Muallem sagte, das Schiff sei genau auf umgekehrten Weg von Syrien in Richtung Iran unterwegs gewesen und hätte keinerlei Kriegsmaterial an Bord geführt.

 

Bisher größter Fang der Marine

Das Außenamt in Jerusalem instruierte wiederum israelische Diplomaten, die Kritik auf den Iran zu konzentrieren. „Da die Waffen für die nördliche Terrorfront gedacht waren, handelt es sich um eine eklatante Verletzung der UN-Resolution 1701“, heißt es in einer Mitteilung. Mit der Resolution war im Sommer 2006 das Ende des Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah eingeleitet worden. Zentraler Punkt der internationalen Regelung war die Unterbindung des Waffenschmuggels an die Hisbollah.

Internationale Diplomaten in Israel wurden nach Ashdod geführt, um den Frachter und die Ladung mit eigenen Augen zu begutachten. Mit 300Tonnen Kampfmaterial handelt es sich um den größten Fisch, der je der israelischen Marine ins Netz gegangen ist. Nach Angaben der Armeeführung könnte die Hisbollah mit den Waffen mindestens vier Wochen lang Krieg führen.

Die insgesamt 36 Container sind mit den Buchstaben IRISL gekennzeichnet – dem Kürzel für „Islamic Rebublic of Iran Shipping Lines“. Unter dem Einsatz von Schiffen und Flaggen neutraler Länder „macht der Iran das Mittelmeer zu einer Basis schändlicher Aktivitäten“, so das Außenministerium in Jerusalem.


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